U-Bahnbetriebszentrale

     

    Der operative Kern der U-Bahn

    Den operativen Kern des Münchner U-Bahnsystems bildet die U-Bahnbetriebszentrale (UBZ). Hier wird die Koordination und Überwachung des gesamten U-Bahnbetriebes abgewickelt. Während früher die Zugsicherung noch in den regionalen Stellwerken bedient wurde, sind nun alle betrieblichen Steuerungsfunktionen in der UBZ zusammengefasst. Alle U-Bahnstellwerke, bis auf das Stellwerk Kieferngarten und das Stellwerk Münchner Freiheit, werden nun von der Zentrale aus vollautomatisch ferngesteuert. In der UBZ laufen alle wichtigen Informationen aus den Bereichen der Zugsicherung und der Bahnhofsüberwachung sowie wichtige Nachrichten vom Aufsichts- und Servicepersonal, von Fahrerinnen und Fahrern und von den technischen Streckendiensten zusammen. Sie werden hier ausgewertet und an die zuständigen Abteilungen zur Bearbeitung weitergeleitet.

    Die UBZ wird auch über alle Unregelmäßigkeiten im Fahrplanablauf und sonstige Störungen informiert und kann damit schnell und bedarfsgerecht reagieren, die Fahrgäste benachrichtigen und für Abhilfe sorgen. Im Rahmen des Störungsmanagements funktioniert die Zusammenarbeit mit der Polizei, der Feuerwehr, der Rettungsleitstelle sowie mit der U-Bahnwache und dem eigenen Servicedienst reibungslos.

    Weitere Informationen über die U-Bahnbetriebszentrale erhalten Sie in unserer Broschüre.

    Die Koordination des U-Bahnbetriebes - einst und heute

    Die Anfangsjahre
    1980 wurde die erste U-Bahnleitstelle im zweiten Untergeschoss des U-Bahnhofes Marienplatz in Betrieb genommen. Sie erledigte dort über 20 Jahre lang die dispositiven Aufgaben und Überwachungsfunktionen. Die Zugsicherung wurde in den regionalen Stellwerken abgewickelt.

    In direkter Nachbarschaft zur U-Bahnleitstelle wurde die Leitstelle für Bus und Tram untergebracht, um eine optimale Koordinierung zwischen dem Oberflächenverkehr und der U-Bahn zu erreichen. Doch die Leitstelle für Bus und Tram brauchte wegen der Anschaffung des so genannten Rechnergesteuerten Betriebsleitsystems (RBL) mehr Platz. Sie zog deshalb im Jahr 1990 in die damalige Verkehrsbetriebe-Zentrale in der Einsteinstraße 28 um.

    Alles wieder unter einem Dach
    Seit Juli 2002 ist die Leitstelle Bus und Tram in der Stadtwerkszentrale in der Emmy-Noether-Straße angesiedelt. Im Februar 2004 war es dann soweit: Innerhalb weniger Tage zog in einer sorgfältig vorbereiteten Aktion auch die U-Bahnleitstelle zum neuen Standort um. Erweitert um den Aufgabenbereich »Fernsteuerung der U-Bahnstellwerke« und mit einem weiteren inhaltlichen Schwerpunkt, der Fahrgastinformation, firmiert sie nun dort unter dem Namen »U-Bahnbetriebszentrale« (UBZ).

    Rund 1.760 Signale, 430 Weichen und 1.660 Fahrstraßen werden von der UBZ aus vollautomatisch ferngesteuert. Am alten Standort unter dem Marienplatz bleibt eine Notleitstelle erhalten, die bei Bedarf Aufgaben der UBZ übernehmen kann.

    Modernste Technik und Synergie
    Obwohl schon bisher modernste Computertechnik zum Einsatz kam, wurde die technische Ausrüstung der neuen UBZ weiter verbessert: Großflächige Flachbildschirme erleichtern die Arbeit, es gibt wesentlich mehr Monitore für die Direktübertragungen der Fernsehbilder aus den U-Bahnhöfen und die Datenübertragung erfolgt nun mit moderner Digitaltechnik.

    Die räumliche Nähe zur Leitstelle Bus und Tram bringt Synergieeffekte: Das Störungsmanagement für Bus, Tram und U-Bahn wird nun gemeinsam organisiert. Im Störungsfall ist es jetzt möglich, verkehrsmittelübergreifende Maßnahmen durchzuführen. Für die Fahrgäste bedeutet dies noch schnellere und genauere Information.

    Arbeitsplätze in der UBZ
    Insgesamt achtzehn Arbeitsplätze, ausgestattet mit modernster Kommunikationstechnik, sind in der UBZ installiert. Ihre Einrichtung ist funktional auf die drei Aufgabengebiete Disposition, Zugsicherung und Fahrgastinformation zugeschnitten.

    Die U-Bahnbetriebszentrale ist korrespondierend zum U-Bahnnetz in drei Bereiche aufgeteilt: Jeder Bereich ist mit einem Disponenten, zwei Stellwerkern und einem Mitarbeiter für Fahrgastinformation und Service besetzt. Der Disponent bearbeitet zwei U-Bahnlinien und die Stellwerker jeweils zwei Stellwerke. Der Mitarbeiter für die Fahrgastinformation ist ebenfalls für zwei U-Bahnlinien zuständig. Außerdem koordiniert er die mobilen Dienste, also die Servicemitarbeiter-innen und -mitarbeiter vor Ort. In einem vierten, eigenen Bereich sind die Arbeitsplätze für die Personaldisponenten, die die kurzfristige Einteilung des Fahrpersonals übernehmen, und für den Einsatzkoordinator der U-Bahnwache angeordnet.

    Ein Einblick in die Betriebs- und Sicherheitstechnik

    Linienzug-Beeinflussung (LZB)
    Die U-Bahn bringt es auf eine Höchstgeschwindigkeit von 80 Stundenkilometern und auf eine mittlere Geschwindigkeit von 36 km/h. Möglich macht dies eine moderne, zuverlässige Technik, die so genannte Linienzug-Beeinflussung, kurz LZB. Der Zugbetrieb ist weitestgehend automatisiert und wird über Rechner gesteuert. In der Hauptverkehrszeit können so die Züge dicht hintereinander fahren. Die U-Bahn-Fahrerinnen und -Fahrer starten ihr Fahrzeug per Knopfdruck, Beschleunigen und Bremsen erledigt die Zugautomatik. Die Fahrerinnen und Fahrer können sich so auf andere wichtige Aufgaben konzentrieren, etwa den Fahrgastwechsel in den U-Bahnhöfen. Lediglich im Störfall wird auf manuellen Betrieb umgeschaltet. Dann muss das Fahrpersonal die beleuchteten Signale beachten.

    Zugsicherung
    Zugsicherung läuft in den regionalen Stellwerken ab, von denen es auf jeder U-Bahnlinie mehrere gibt. Diese regionalen Stellwerke werden per Fernsteuerung der UBZ bedient. In diesen Stellwerken werden den Zügen zentral Fahrstraßen und Weichen eingestellt und über Signale gesichert. So kann sich in einem Abschnitt zwischen zwei Signalen immer nur ein Zug befinden. Würde ein Wagen dennoch ein Rot-Signal überfahren, würde er sofort zwangsgebremst.

    Stromversorgung der Züge
    Die U-Bahn fährt mit Gleichstrom, die Spannung beträgt 750 Volt. Ihre Antriebskraft bezieht sie von einer Stromschiene direkt neben den Fahrgleisen, der so genannten Dritten Schiene. Auf allen Stammstrecken und ihren Abzweigungen sind im Abstand von etwa zwei Kilometern Gleichrichterwerke untergebracht. Sie werden aus Umspannstationen der Stadtwerke München GmbH mit 10.000 Volt- Spannung gespeist und wandeln über Transformatoren, Gleichrichter- und Schaltanlagen die zugeführte Energie in Gleichstrom für die Stromschiene um. Zentral gesteuert und überwacht werden die Gleichrichterwerke von der Schaltwarte im U-Bahnhof Marienplatz. Hier werden eventuelle Störungen schnell erkannt und Abhilfemaßnahmen eingeleitet.

    Aufgaben der Disponenten

    Die Disponenten koordinieren den gesamten U-Bahnverkehr. Sie überwachen die Pünktlichkeit und die Anschlüsse, entscheiden zum Beispiel im Störungsfall über Umleitungen und geänderte Zugeinsätze. Ihre wichtigsten Arbeitsmittel sind schematische Darstellungen auf Farbmonitoren. Diese Bilder liefern den Disponenten einen Überblick über das gesamte Netz, jeden eingesetzten U-Bahnzug und seinen jeweiligen Standort. So können sie bei Störungen sofort eingreifen. Die Disponenten erteilen auch die Genehmigung für das Betreten der Tunnel und sorgen dort für die notwendige Beleuchtung.

    Dynamische Bilder
    Mit den so genannten dynamischen Bildern kann der Disponent in einem Gleisbild die Strecke und den Standort der einzelnen Züge erkennen. Durch die Anzeige der Linien- und Kursnummer eines jeden Zuges erhält der Disponent einen guten Überblick über den Betriebszustand. Die Rechner überwachen die Fahrplanlage der Züge. Durch eine zusätzliche Zahlenangabe bei der Zugnummer kann der Disponent erkennen, ob ein Zug Verfrühung oder Verspätung hat. Verdeutlicht wird dies noch durch verschiedene Farbmarkierungen: Züge, die dem Fahrplan mehr als zehn Sekunden voraus sind, werden auf dem Bildschirm rot markiert, Verspätungen ab einer Minute erscheinen blau. Außerdem werden dem Disponenten Gleissperrungen (rot), Stromabschaltungen (gelb) sowie Baustellen und Geschwindigkeitsbeschränkungen (Symbole) auf der Strecke und im Abstellgleis angezeigt.

    Statische Bilder
    Die so genannten statischen Bilder zeigen dem Disponenten im Überblick in räumlich gedrängter Form zum Beispiel das Gleisbild eines Bahnhofes, mit Gleis-, Weichen- und Signalbezeichnungen. Der Rechner beschafft diese Informationen über ein Fernwirksystem von den örtlichen Stellwerken.

    Wichtige nachrichtentechnische Einrichtungen
    Weitere Kommunikationsmittel sichern einen guten Kontakt innerhalb des Betriebes, aber auch zu den Fahrgästen: Über Funk haben die Disponenten jederzeit Kontakt zu den U-Bahnfahrerinnen und U-Bahnfahrern sowie dem Betriebspersonal. Zur Polizei, Feuerwehr, Rettungsleitstelle und S-Bahn München bestehen Direktleitungen.

    Notrufeinrichtungen
    Zur Sicherheit der Fahrgäste sind in sämtlichen Bahnhöfen Notrufeinrichtungen installiert. Notrufe von dort kommen beim zuständigen Disponenten an. Er kann sie bei Bedarf sofort zur Polizei und zur Feuerwehr durchschalten. Das Gleiche gilt für Notrufe aus den Aufzügen.

    Aufgaben des Bereiches Fahrgastinformation

    Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Fahrgastinformation beobachten auf Monitoren den aktuellen Zugverkehr und koordinieren die mobilen Dienste, also die Servicemitarbeiterinnen und -mitarbeiter vor Ort. Bei Unregelmäßigkeiten im Fahrplanablauf können sie mittels einer zentralen Beschallungsanlage die Fahrgäste umgehend informieren. Dabei kann jeder Bahnhof einzeln, bestimmte Streckenabschnitte oder die ganze Linie zugleich angesprochen werden. Hier wird auch die Beleuchtung in den Bahnhöfen geregelt. Außerdem kontrollieren die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von hier aus die Fahrtreppen und Lifte und überwachen die Klima-, Rauch- und Feuerschutzanlagen.

    Der direkte Draht in die U-Bahnhöfe
    Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der UBZ überwachen nicht nur den Betrieb der U-Bahnen, sondern auch das Geschehen in den U-Bahnhöfen: Monitorwände, die von den Arbeitsplätzen der Disponenten sowie der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bereiches Fahrgastinformation aus gut sichtbar sind, zeigen Fernsehbilder. Diese Bilder werden von Videokameras in den U-Bahnhöfen aufgenommen und dann in einem festen Zeittakt - im Rhythmus zwischen zehn und 160 Sekunden - abgerufen. Bei Bedarf kann jeder Bahnhof natürlich auch direkt angewählt werden. Die Fernsehbilder werden digital aufgezeichnet.

    Management im Störungsfall
    Sollte einmal aufgrund einer größeren Störung der Fahrplan durcheinander geraten, gilt es, die Auswirkungen für die Fahrgäste möglichst gering zu halten und für eine umfassende und aktuelle Information zu sorgen. Diesem Anspruch wurde bei der Konzeption der neuen UBZ mit der Einrichtung eines Störungsmanagements Rechnung getragen. Der Störungsmanager koordiniert den Fahrzeugeinsatz und die Fahrgastinformation. Bei Bedarf richtet er einen Schienenersatzverkehr ein und informiert Polizei und Feuerwehr. Er ist also für eine »runde« Fahrgastinformation verantwortlich. Dazu gehört auch, Störungen zu analysieren, um einen permanenten Verbesserungsprozess einzuleiten.

    Aufgaben der Stellwerker

    Auch die Stellwerker benutzen schematische Darstellungen auf Farbmonitoren für ihre Arbeit. Sie können auf ihren dynamischen Bildern den Status aller Elemente wie Signale, Weichen, Gleisfreimeldekreise, Fahrsysteme etc. erkennen und bedienen. Die Stellwerker sind außerdem zuständig für die Fernsteuerung der dezentralen Relaisstellwerke. Sie steuern die Weichen sowie die Signale und stellen damit über die Zugsicherungstechnik die so genannten Fahrstraßen für die U-Bahnzüge ein. Außerdem sind die Stellwerker verantwortlich für das An- und Abhängen der Züge.