Beschleunigungsprogramm

    Busbeschleunigung spart Zeit, Fahrzeuge – und Nerven

    Busbeschleunigung an der Candidstraße Busbeschleunigung an der Candidstraße

    Das, was die U-Bahn so attraktiv macht – nämlich kurze Fahrzeiten, hohe Pünktlichkeit und Halt nur an Haltestellen – wird Schritt für Schritt auch auf den Oberflächenverkehr übertragen: Im Zeitraum von 1994 bis 2003 wurden alle Münchner Trambahnlinien beschleunigt. Auch die hinzugekommenen Tramneubaustrecken sind komplett beschleunigt in Betrieb gegangen, so dass das gesamte Tramnetz von 82 km Streckenlänge beschleunigt ist.

    Die Trambeschleunigung hat in mehrfacher Hinsicht echten Mehrwert für die Fahrgäste erzielt: Kürzere Fahrzeiten, höhere Pünktlichkeit, komfortablere Haltestellen und ein besseres und effizienteres Angebot durch neue Linien.

    Das Erfolgsrezept der Trambeschleunigung soll auf den Busbereich übertragen werden. Schließlich sind alleine mit den Bussen der MVG jedes Jahr über 185 Mio. Fahrgäste unterwegs.

    Wer einmal mit den beschleunigten Buslinien 50, 52, 53, 54, 55, 56, 58, 59, 60, 62, 100, 142, 145, 153, 154, 155, 166, 169, 184 und 198 gefahren ist, kennt schon die Vorteile. Auch auf Teilabschnitten der Linien X30, 63, 130, 132, 139, 160, 162 und 168 wurde die Beschleunigung bereits realisiert.

    Die Beschleunigung ist eine der wichtigsten Maßnahmen zur Sicherung der Attraktivität des Busverkehrs. Sie verkürzt die Fahrzeit, erhöht die Pünktlichkeit und sorgt für ein angenehmeres Fahrgefühl, da viele Abbrems- und Anfahrvorgänge entfallen. Zudem können oftmals - dank der kürzeren Fahrzeiten - auch weniger Busse auf einer Linie eingesetzt werden, was die Finanzierbarkeit des ÖPNV erhöht und sinnvolle Verbesserungen des MVG Angebotes ermöglicht.

    Es gibt mehrere Instrumente, um eine Buslinie zu beschleunigen. Die zentrale Rolle dabei spielt die passgenaue Schaltung der Ampeln - und zwar so, dass bei Ankunft des Busses die Grünphase für die entsprechende Fahrtrichtung geschaltet wird (Genaueres hierzu im Abschnitt über die Grüne Welle für den Bus).

    In die Projekte zur Busbeschleunigung sind viele Institutionen eingebunden: Der Stadtrat der Landeshauptstadt München, die Stadtratsfraktionen in einer interfraktionellen Arbeitsgruppe, das Kreisverwaltungsreferat, das Baureferat, das Referat für Stadtplanung und Bauordnung, die Regierung von Oberbayern sowie die betroffenen Bezirksausschüsse sind an der Abstimmung, Planung und Umsetzung beteiligt.

    Die Busbeschleunigungsprojekte werden durch die Landeshauptstadt München und die Stadtwerke München GmbH finanziert. Zudem werden die Vorhaben teilweise durch den Freistaat Bayern finanziell gefördert.

     

    Vorteile

    Die ÖPNV-Beschleunigung dient der Erhöhung der Beförderungsgeschwindigkeit, die Kunden profitieren von kürzeren Fahrzeiten. Kurze Reisezeiten sind laut Meinungsumfragen bei MVG Kunden eines der wichtigsten Merkmale bei der Nutzung des ÖPNV.

    Verbesserung der Pünktlichkeit und Einhaltung des Fahrplans

    Die ÖPNV-Beschleunigung steigert die Attraktivität des öffentlichen Verkehrs für den Fahrgast durch die Reisezeitverkürzung und eine höhere Pünktlichkeit.

    Des Weiteren wird die genaue Einhaltung des Fahrplans möglich, wodurch geplante Umsteigemöglichkeiten innerhalb eines engen Zeitfensters besser eingehalten werden können.

    Steigerung des Fahrgastkomforts

    Weil die Busse an den Ampeln weniger oft bremsen und anfahren müssen, verbessert sich der Fahrkomfort. Neue barrierefrei gestaltete Haltestellen erleichtern zusätzlich den Einstieg für alle Fahrgäste. Für Mobilitätseingeschränkte sind dies zusätzliche Hilfen bei der Benutzung der öffentlichen Verkehrsmittel.

    Steigerung der Wirtschaftlichkeit

    Die ÖPNV-Beschleunigung trägt bei großen Projekten auch meist dazu bei, Fahrzeuge und Personal auf der betreffenden Linie einzusparen und an anderer Stelle einsetzen zu können. Bei gleichem Aufwand können so wichtige Angebotsverbesserungen ermöglicht werden, insbesondere dort, wo viele Kunden unterwegs sind.

    Verbesserung für Umweltschutz und Lebensqualität

    Von der Beschleunigung des ÖPNV profitieren nicht nur unsere Fahrgäste. Schließlich zieht das verbesserte Busangebot auch neue Kunden an und sorgt auf diese Weise letztlich für weniger Autoverkehr und Staus. Durch das flüssigere Fahren von Bus und Tram wird Energie eingespart. Unsere Maßnahmen sind daher ein wertvoller Beitrag zum Umweltschutz und zugleich eine Verbesserung der Lebensqualität durch die Reduzierung der Luftschadstoffemissionen.

    Maßnahmen zur ÖPNV-Beschleunigung

    Es werden verschiedene Maßnahmen angewendet, um die Verlustzeiten im ÖPNV zu reduzieren. Die Beeinflussung von Ampeln, die Umgestaltung von Haltestellen, Kreuzungen und Einmündungen, sowie die Einrichtung von Busspuren und separaten Abbiegespuren beschleunigen eine Buslinie. Der Einsatz von modernen ÖPNV-Fahrzeugen und die konsequente Qualitätssicherung durch Qualitätsmanagement tragen zusätzlich dazu bei, die Verlustzeiten gering zu halten. Ziel aller Anstrengungen ist es, unproduktive Verlust- und Wartezeiten zu vermeiden; die Fahrzeuge sollen letztlich nur und möglichst kurz an den Haltestellen zum Stehen kommen.

    1. Vorrangschaltung an den Ampeln
      1. In München gibt es ca. 1.100 Verkehrsampeln.
      2. Knapp 920 dieser Ampeln werden von ÖPNV-Fahrzeugen angefahren.
      3. Alle von Trambahnen angefahrenen Ampeln sind bereits beschleunigt.
      4. Der Anteil an beschleunigten Ampeln für den Busverkehr liegt Ende 2016 bei 58% und nimmt kontinuierlich zu.
    2. Einrichtung von separaten ÖPNV-Trassen, zum Beispiel Busspuren
      1. Es entstehen keine Nutzungskonflikte mit anderen Verkehrsteilnehmern.
      2. Der Bus kann am Stau vorbeifahren und erreicht die Haltestelle ohne Behinderung.
      3. Unsere Fahrzeuge kommen daher pünktlicher ans Ziel.
    3. Haltestellenplanung: Barrierefreie Kaphaltestellen (Buskaps)
      1. Kompakte, platzsparende Gestaltung
      2. Der Bus kann die Haltestelle gerade anfahren und überstreicht den Haltestellenbereich nicht mit Fahrzeugfront oder Heck
      3. Bessere Fahrdynamik
      4. Geeignet für den barrierefreien Ausbau
      5. Niedrigere Baukosten im Vergleich zu Busbuchten
      6. Bessere stadtgestalterische Verträglichkeit
      7. Geringe Haltestellenverlustzeiten
    4. Moderne ÖPNV-Fahrzeuge
      1. Konsequente Niederflurtechnik, bei 99% der Tram-Fahrzeuge und 100% der Bus-Fahrzeuge
      2. Absenken des Fahrzeugs (Kneeling), um die Einstiegshöhe bei Bussen bei Bedarf weiter zu verringern
      3. Neue Fahrzeugtypen mit zusätzlichen Türen, um die Fahrgastwechselzeit zu verringern
    5. Qualitätssicherung durch Qualitätsmanagement
      1. Hochmoderne Steuerungstechnik in der Leitstelle für Bus und Tram, die den gesamten Bus- und Straßenbahnverkehr überwacht und koordiniert.
      2. Konsequente Erfassung von Störungsmeldungen durch das Fahrpersonal und durch die Störungsberichte der Leitstelle
      3. Störungsanalyse mit Störungsbehebung
      4. Regelmäßige und enge Zusammenarbeit mit dem Kreisverwaltungsreferat (Straßenverkehrsbehörde) und dem Baureferat.

    Grüne Welle für den Bus – so funktioniert's

    Wesentlicher Bestandteil der ÖPNV-Beschleunigung ist die zielgenaue Steuerung von Ampeln. Bereits aus mehreren hundert Metern Entfernung kündigt der Bus der nächsten Ampel per Funk an, dass er bald die Kreuzung erreichen wird und erhält auf diese Weise rechtzeitig Grünlicht. Dabei ist gewährleistet, dass die anderen Verkehrsteilnehmer ebenfalls ihre Grünzeiten erhalten und kreuzende Fußgänger, Radfahrer und Fahrzeuge den Kreuzungsbereich verlassen können.

     

    Übersicht der beschleunigten Buslinien und sich daraus ergebende Einsparungen

    Inbetriebnahme Linie Abschnitt Ersparnis *)
    1995 58 Hauptbahnhof - Wettersteinplatz 7 Min.
    2003 55 Ostbahnhof - Diakon-Kerolt-Weg 5 Min.
    2003 155 Ostbahnhof - Emdenstraße 6 Min.
    2003 53 Hohenzollernplatz - Rotkreuzplatz 5 Min.
    2006 52 Marienplatz - Tierpark 8 Min.
    2007 53 Münchner Freiheit - Aidenbachstraße (teilweise) 6 Min.
    2008 53 Münchner Freiheit - Aidenbachstraße (komplett) 11 Min.
    2009 54 Ostbahnhof - Sylvensteinstraße 13 Min.
    2010 55 Diakon-Kerolt-Weg - Putzbrunn 8 Min.
    2010 198 Neuperlach Zentrum - Klara-Ziegler-Bogen 2 Min.
    2011 100 Hauptbahnhof Nord - Ostbahnhof 10 Min.
    2012 62 Landshuter Allee - Ostbahnhof 8 Min.
    2013 59 Ampfingstraße - Giesing Bf. 9 Min.
    2013 145 Klagenfurter Straße - Fasangarten Bf. 1 Min.
    2014 54 Hohenzollernstraße - Prinzregentenplatz 1 Min.
    2014 153 Hochschule München - Odeonsplatz 5 Min.
    2014 154 Nordbad - Bruno-Walter-Ring 8 Min.
    2014 184 Arabellapark - Westerlandanger 1 Min.
    2015 56 Schloss Blutenburg - Fürstenried West 7 Min.
    2015 166 Forst-Kasten-Allee - Kemptener Straße 1 Min.
    2016 50 Dessauerstraße - Johanneskirchen 9 Min.
    2016 60 Dessauerstraße - Dülferstraße 3 Min.
    2017 63 Pilsenseestraße - Forstenrieder Allee vsl. 6 Min.
    2017 132 Isartor - Forstenrieder Park vsl. 5 Min.

    *) Reisezeiteinsparung für Hin- und Rückfahrt

    FAQ - Häufige Fragen

    1. Wie funktioniert die ÖPNV-Beschleunigung an Ampeln?
      Bei der ÖPNV-Beschleunigung meldet sich der Bus per Funk bereits mehrere hundert Meter vor Erreichen einer Kreuzung an der Ampel an, die dann im Regelfall rechtzeitig zum Eintreffen des Busses für Grün sorgt. Der Ablauf der übrigen Grünphasen wird zeitlich vorausschauend angepasst, damit keine Einschränkungen für die anderen Verkehrsteilnehmer eintreten.
       
    2. Nach welchen Kriterien werden Buslinien ausgesucht?
      Für die ÖPNV-Beschleunigung werden Buslinien mit hohem Fahrgastaufkommen ausgesucht. Dies betrifft vor allem MetroBus-Linien mit hohen Fahrgastzahlen sowie StadtBus-Linien mit einem dichten Takt.
       
    3. Werden auch einzelne Ampeln beschleunigt?
      Die Busbeschleunigung wird neben den Beschleunigungsprojekten mit ganzen Linien oder wichtigen Teilstrecken auch stückweise realisiert: Jedes Jahr werden 30 bis 50 einzelne Ampeln für die Beschleunigung ausgerüstet. Es handelt sich um Ampelanlagen, die altersbedingt nach 20 bis 30 Jahren durch die Landeshauptstadt München erneuert werden müssen und die bei dieser Gelegenheit gleich mit den Komponenten für die ÖPNV-Beschleunigung ausgestattet werden. Zudem hat der Stadtrat der Landeshauptstadt München das Programm „Busbeschleunigung beschleunigen“ beschlossen. Dabei sollen weitere Ampeln beschleunigt werden, z. B. auf kurzen Streckenabschnitten, bei denen sich ein eigenes Projekt nicht lohnt oder die sehr störanfällig sind.
       
    4. Welche ökologischen Auswirkungen hat die ÖPNV-Beschleunigung?
      Eine Erhöhung der Reisegeschwindigkeit sorgt für eine Attraktivitätssteigerung im ÖPNV und führt zu steigenden Fahrgastzahlen. Es resultiert also eine Verkehrsverlagerung vom Individualverkehr zum ÖPNV. Einerseits sinken dadurch die spezifischen Verbrauchs- und Emissionswerte pro Fahrgast im ÖPNV und andererseits kann der Individualverkehr die Infrastruktur Straße effektiver für sich nutzen. Die Beschleunigung führt somit zu signifikant wirkenden Umweltentlastungen – lokal, regional und global.
       
    5. Hat die ÖPNV-Beschleunigung auch Vorteile für den Autofahrer?
      Durch die Busbeschleunigung wird auch oftmals die Leistungsfähigkeit für den Autoverkehr gesteigert, da die Verkehrstechnik der Ampelanlagen insgesamt modernisiert und an das aktuelle Verkehrsgeschehen angepasst wird. Zudem reduziert jeder Bürger, der dank attraktiver Fahrzeiten vom Auto auf den beschleunigten ÖPNV umsteigt, auch Staus. Die Straßen können somit von denjenigen Personen effizienter genutzt werden, welche nicht auf ihr Auto verzichten können.

    Ausblick

    Bis Jahresende 2016 waren von den 808 von MVG Buslinien befahrenen Ampeln bereits 472 (d. h. 58%) beschleunigt.