Niederflurtechnik beim Bus

Erster Einsatz im Linienbetrieb

Ende April 1987 konnte in München der weltweit erste Niederflur-Gelenkbus mit Rollstuhllift und Rußfilter vorgestellt werden. Das viertürige Fahrzeug erinnerte von der Optik her stark an den Neoplan SLII, technisch jedoch stellte es eine absolute Neuentwicklung dar. Der Vorderwagen besaß keinerlei Einstiegstufen mehr, was durch neuartige Achskonstruktionen möglich wurde, erst nach der zweiten Türe stieg der Wagenboden an, so dass die beiden Türen im Nachläufer jeweils eine Stufe aufwiesen. Der luftgekühlte, 280 PS starke V8-Deutz-Motor lag schräg hinter der dritten Achse, das Differential war asymmetrisch angeordnet. Der Auspuff samt Rußfilter verläuft nach oben und ist im Fahrgastraum umbaut. An der Vordertüre war eine Hebebühne installiert, die bei Bedarf bis auf Fahrbahnniveau abgesenkt werden konnte und somit auch Rollstuhlfahrern den Einstieg ermöglichte. Alles in allem eine überaus innovative und nicht weniger gewagte Konstruktion.

Ab 16. Mai 1987 fuhr der Prototyp auf der Linie 52 (Marienplatz - Candidplatz - Tierpark Alemannenstraße).

Der Siegeszug der Niederflurtechnik

Ab Anfang der Neunzigerjahre trat der Niederflurbus nun seinen endgültigen Siegeszug an. Ab 1991 beschaffen die Stadtwerke München (SWM) ausschließlich Niederflurbusse. Die erste große Serie bestand aus 105 zweitürigen MAN-Solobussen mit Rußfilter und Rollstuhllift.

In den Folgejahren wurde etwa 80 Prozent des städtischen Linienbusfuhrparks durch Niederflurbusse von MAN und Mercedes ersetzt. Im Bestand blieben nur die neueren der Fahrzeuge mit hohem Boden. Auch Münchens Privatunternehmer, die im Auftrag der MVG Linienverkehr betreiben, beschaffen seit 1991 nur noch Linienbusse in Niederflurbauweise. Von städtischen Bussen sind die Privatbusse fast nur noch durch das Fehlen des "Münchner Kindls" zu unterscheiden. Bereits 1995 bestanden etwa 85 Prozent der im Stadtliniennetz eingesetzten Fahrzeuge (städtische und private) aus Niederflurbussen.