Die Tram-Westtangente

 
 

Fünf Münchner Stadtviertel wachsen näher zusammen

Die Tram-Westtangente ist eines der wichtigsten Nahverkehrsprojekte Münchens. Sie sorgt für eine deutliche Verbesserung der Verkehrssituation im Münchner Westen. Dort verbindet sie fünf Stadtviertel direkt miteinander, beginnt dabei am Romanplatz in Neuhausen, verläuft über die Fürstenrieder Straße in Laim und endet an der Aidenbachstraße in Sendling.

Mit der Tram-Westtangente entstehen schnelle Direktverbindungen. Die Tram wird dank eigener Fahrspur pünktlicher und leistungsfähiger sein als die heutigen Busse. Darüber hinaus werten ein grünes Rasengleis, mehr Bäume und belebte Stadteilzentren die Umgebung auf. So profitieren Fahrgäste und Anwohner*innen gleichermaßen.

Am 9. April 2020 haben wir die Planfeststellungsunterlagen bei der Regierung von Oberbayern eingereicht. Derzeit werden die eingegangenen Einwendungen bearbeitet. Wir planen, die neue Tramstrecke in zwei Stufen in Betrieb zu nehmen:

  • 2025/26 soll der nördliche Abschnitt zwischen Romanplatz und Waldfriedhof eröffnet werden.
  • 2027 ist die Eröffnung des südlichen Abschnitts Waldfriedhof - Aidenbachstraße geplant.


Die hier dargestellte und vom Stadtrat bestätigte Planung ist noch keine "baureife" Planung. Sie zeigt die Lage der Neubaustrecke und Haltestellen sowie die Rad-, Fußweg- und Straßenführung. In Abstimmung mit dem Baureferat und dem Mobilitätsreferat der Landeshauptstadt München wird die Planung weiter verfeinert, um die Bedürfnisse aller Verkehrsteilnehmer*innen möglichst gut zu berücksichtigen.

 

Wieso ist die Tram-Westtangente notwendig?

2019 lösten 125 Millionen Fahrgäste in München ein Ticket für die Trambahn - und damit drei Millionen mehr als im Vorjahr. Das Bevölkerungswachstum wird die Nachfrage im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) - auch im Münchner Westen - weiter ankurbeln.

Verkehrskollaps mit attraktivem ÖPNV abwenden

Eng damit verbunden ist das verkehrspolitische Ziel der Landeshauptstadt München, dass bis 2030 rund 30 Prozent der Wege in München mit dem ÖPNV zurückgelegt werden sollen. Dazu braucht es ein attraktives ÖPNV-Angebot, für das die Tram-Westtangente ein zentraler Bestandteil ist.

Die Straßenbahn hat in München hohe Sympathiewerte. Unsere Erfahrungen zeigen, dass eine Tram im Vergleich zum Bus etwa ein Drittel mehr Fahrgäste anzieht. Dieser sogenannte „Schienenbonus“ und die im Vergleich höhere Kapazität helfen, mehr Fahrgäste mit dem ÖPNV zu bewegen und der Zunahme des Autoverkehrs entgegenzuwirken.

Dank eigener Trasse in der Straßenmitte ist die Tram auch schneller, pünktlicher, verlässlicher und damit attraktiver als die übrigen Verkehrsmittel auf der Straße.

Zukunftssicheres Verkehrsmittel für lokales städtebauliches Wachstum

Entlang der geplanten Strecke der Tram-Westtangente entstehen neue Wohnungen und Arbeitsplätze, was unweigerlich zu einem höheren Bedarf an Mobilität führt. Außerdem werden durch die 2. S-Bahn-Stammstrecke am S-Bahnhof Laim deutlich mehr Fahrgäste ein-, aus- oder umsteigen. Sie können künftig schnellere Verbindungen in den Norden nach Neuhausen und Schwabing sowie in den Süden nach Laim, Hadern und Sendling nutzen.

An der Drygalski-Allee entsteht ein neues Quartier für Wohnen und Arbeiten. Der Ratzingerplatz sowie das Gelände rund um die Station Aidenbachstraße werden ebenfalls neugestaltet und bebaut. Mehr Autos oder Busse würden hier die Verkehrsproblematik weiter verschärfen.

Verkehrssimulationen zeigen, dass die Tram-Westtangente den zusätzlichen Bedarf an Mobilität im Unterschied zu Auto und Bus bedarfsgerecht abdeckt. Ein Grund ist, dass ein Tramzug so viele Personen befördern kann wie zwei Gelenkbusse oder 145 Pkw und somit den Straßenraum effektiver nutzt (siehe Abbildung rechts).

Darüber hinaus kann die Straßenbahn zukünftig noch mehr leisten, wenn der Takt verdichtet und/oder längere Trambahnen eingesetzt werden. Dem Einsatz von Autos und Bussen sind dagegen räumliche Grenzen gesetzt.

Belastung für Anwohner*innen effektiv reduzieren

Ohne die Tram-Westtangente stiege die Verkehrsbelastung insbesondere für die Anwohner*innen stark an, da noch mehr Fahrzeuge unterwegs wären. Die Folge: mehr Stau, Abgase, Staub und Lärm. Abhilfe schafft die Tram, da sie Verkehr von der Straße auf die Schiene verlagert, die Zunahme der Verkehrsbelastung abmildert und Konflikte zwischen Verkehrsteilnehmern aufgrund der gesonderten Lage in der Straßenmitte entschärft.

 

Die Vorteile auf einen Blick


Die Tram-Westtangente

  • … bringt Fahrgäste im Münchner Westen schneller, verlässlicher, pünktlicher und komfortabler an ihr Ziel.
  • … bietet zahlreiche neue Direktverbindungen, macht Umwege über die Innenstadt überflüssig und entlastet damit auch die U-Bahn.
  • … transportiert mehr Fahrgäste als Auto oder Bus und benötigt dabei weniger Platz.
  • … ist zukunftssicher, da ihr Leistungsvermögen gesteigert werden kann.
  • … reduziert den Verkehr und damit Staus, Staub, Abgase und Lärm.
  • … vermeidet Konflikte zwischen den verschiedenen Verkehrsteilnehmern.
  • … wertet die Umgebung durch ihr Rasengleis, attraktive Haltestellen und mehr Bäume auf.
  • … bietet die Chance, Stadteilzentren und Straßenräume aufzuwerten und zu beleben.
 

Die neue Linie und ihre Wirkung im ÖPNV-Netz

Die Tram-Westtangente verbindet die fünf Stadtbezirke Neuhausen-Nymphenburg, Laim, Hadern, Sendling-Westpark und Thalkirchen-Obersendling-Forstenried-Fürstenried-Solln. Sie führt vom Romanplatz über die Wotan-, Fürstenrieder und Boschetsrieder Straße zum Ratzingerplatz und endet am U-Bahnhof Aidenbachstraße. Sie verbindet verschiedene U-Bahnlinien (U3, U5, U6), Tramlinien (12, 16/17, 18, 19) sowie den S-Bahn-Haltepunkt Laim miteinander. Auf ihrem Abschnitt ersetzt die Neubaustrecke die bisherigen Buslinien 51 und 151.

Die neue Strecke ist ca. 8,25 Kilometer lang und hat voraussichtlich 17 Haltestellen. Damit wird das heute insgesamt 82 km lange Tramnetz um etwa zehn Prozent ausgeweitet. Einzelheiten zeigt unsere Karte.

 
 

Verbindung nach Schwabing und "Schienenbonus"

Verbindung nach Schwabing mit der Tram Westtangente © MVG

Die derzeit von Schwabing kommende und am Romanplatz endende Linie 12 soll auf der Tram-Westtangente direkt bis zur Aidenbachstraße weiterfahren.

Prognosen bestätigen, dass die Tram-Westtangente deutlich mehr Fahrgäste anziehen wird als heute zwischen Romanplatz und Aidenbachstraße mit den Bussen der MVG unterwegs sind ("Schienenbonus"). Gleiches gilt für die bestehende Tramlinie 12 zwischen Romanplatz und Schwabing durch die Verlängerung nach Laim und Sendling.

 

Mehr Grün durch eigenes Rasengleis und bepflanzte Haltestellen

Rasengleis der Tram-Westtangente in der Fürstenrieder Straße © MVG

Die Tram wird auf der gesamten Strecke in der Straßenmitte geführt, fast überall getrennt vom Kfz-Verkehr auf einem Rasengleis. Sie ist dadurch pünktlicher als Busse, wertet aber auch die Umgebung durch mehr Grün im bisher stark versiegelten Straßenraum auf.

Nur in der Wotanstraße zwischen Kemnatenstraße und Hirschgartenallee fährt die Tram auf der Fahrbahn, um breitere Geh- und Radwege zu ermöglichen und Platz für neue Bäume zu schaffen.

Die Tram-Westtangente in der Wotanstraße © MVG

Die Haltestellen der Westtangente verfügen über breite Wartebereiche mit Wartehallen, können fast alle mit Bäumen bepflanzt werden und entsprechen selbstverständlich den Standards der Barrierefreiheit. Gemeinsam mit dem Rasengleis verleiht dies der gesamten Tramtrasse einen grünen, urbanen Charakter.

Am S-Bahnhof Laim fährt die Tram-Westtangente unter den Bahngleisen in der sogenannten „Umweltverbundröhre“. Dieser neue zweite Tunnel wird nur Fußgängern, Radfahrern, Bussen und Trambahnen zur Verfügung stehen und von der Deutschen Bahn im Rahmen der 2. S-Bahn-Stammstrecke errichtet.

Information, Dialog & Beteiligung

In den Jahren 2010 bis 2014 haben wir die Öffentlichkeit an den Planungen der Tram-Westtangente mit zahlreichen Veranstaltungen in den betroffenen Stadtbezirken beteiligt. Dabei hatten Verwaltung, Bezirksausschüsse, Interessenverbände und betroffene Bürger*innen die Gelegenheit, lokales Wissen, Erwartungen, Befürchtungen und Ideen in die Planung einzubringen und zu diskutieren. Neben Informationsveranstaltungen führten wir Planungswerkstätten, Spaziergänge und Diskussionsrunden durch, um vielfältige Interessen und Perspektiven in die Planung einzubeziehen.

FAQ - Häufig gestellte Fragen

Wieso ist eine Tram nötig, wo es doch bereits Busse gibt?

Entscheidend für diese Frage ist, wie viele Fahrgäste in Zukunft auf der Strecke erwartet werden.

Da Münchens Bevölkerung weiterhin wächst, nimmt auch der Verkehr zu. Um die laut Prognosen in Zukunft zu erwartende Anzahl an Fahrgästen mit Bussen zu bewältigen, wären viel mehr Fahrzeuge erforderlich als heute. Dies würde zu zusätzlichen Verkehrsproblemen führen. Obwohl heute auf der Fürstenrieder Straße in den Hauptverkehrszeiten teilweise alle drei Minuten ein Bus fährt, gerät der ÖPNV hier bereits an seine Leistungsgrenze und ist nicht zu allen Tageszeiten pünktlich.

Um eine ausreichende Zahl an Bussen einsetzen zu können, müssten durchgehende, autofreie Busfahrstreifen gebaut werden. Dadurch hätte der Kfz-Verkehr – genauso wie durch den Bau der Tram – künftig noch zwei Fahrstreifen pro Richtung zur Verfügung. Der Ausbau der Bus-Infrastruktur würde also ebenfalls umfangreiche Baumaßnahmen notwendig machen und Platz beanspruchen, wäre aber nicht so zukunftssicher wie die Tram.

Die Tram stellt in Zukunft die bessere Alternative für die Lösung der Mobilitätsbedürfnisse dar, weil ihre Kapazität z.B. durch den Einsatz größerer Züge oder/und eine Verdichtung des Takts noch erhöht werden kann. Dafür sprechen auch der größere Komfort bei vergleichsweise hoher Reisegeschwindigkeit und die Pünktlichkeit.

Warum nicht einfach Busse mit Busanhängern (Buszüge) statt Tram?

Die bisher eingesetzten Fahrzeugtypen der Tram mit rund 220 Plätzen können gegenüber dem zweiteiligen Buszug bis zu 70 Prozent mehr Personen befördern. Entsprechend mehr Buszüge wären erforderlich, wenn statt der Tram-Westtangente weiterhin Busse eingesetzt würden.

Neue, längere Trambahnen können sogar noch mehr Fahrgäste transportieren, wohingegen Buszüge ihre maximale Fahrzeuglänge von 23 Meter erreicht haben. Sie ermöglichen daher keine ausreichende Kapazität bei insgesamt kontinuierlich steigenden Fahrgastzahlen und damit nicht die wünschenswerte Verlagerung auf den öffentlichen Nahverkehr.

Wurden Alternativen zur Tram-Planung untersucht?

Ja. Die MVG hat untersucht, ob und wie das Bussystem zwischen Romanplatz, Laim und Aidenbachstraße verbessert werden könnte. Fazit: Die Tram stellt die bessere Alternative für den zunehmenden Mobilitätsbedarf im Münchner Westen dar. Im Gegensatz zum Bus ist sie zukunftssicher, da bei Bedarf mehr oder längere Züge eingesetzt werden können. Zudem ist die Tram komfortabler, schneller und pünktlicher.

Ein vergleichbar leistungsfähiges Bussystem würde, wie auch die Tram, eigene Spuren benötigen. Zudem müsste eine viel größere Anzahl an Fahrzeugen eingesetzt werden, so dass letztlich wieder mehr Fahrzeuge auf der Straße unterwegs wären und die Verkehrsprobleme zunehmen würden. Zudem würde der Bus weniger Fahrgäste anziehen als die Tram und so die Zunahme des Autoverkehrs weniger stark abmildern.

Entsteht durch die Tram-Westtangente mehr Stau?

Nein. Verkehrsprognosen zeigen deutlich, dass mit Tram-Westtangente die Zunahme des Autoverkehrs weniger stark ausfällt als ohne die Straßenbahn. Ohne Tram-Westtangente stiege das Staurisiko also an, Lärm und Abgase nähmen zu.  Grundsätzlich gilt: Ein attraktives ÖPNV-Angebot wie die Tram-Westtangente veranlasst dazu, das eigene Auto eher stehen zu lassen.

Auch nach dem Bau der Tram-Westtangente wird für den Kfz-Verkehr genügend Fläche vorhanden sein. So werden beispielsweise in der Fürstenrieder Straße jenseits der Straßenkreuzungen insgesamt vier Fahrstreifen ausreichen. Bereits heute stehen hier zu den Hauptverkehrszeiten in Laim „nur“ vier Fahrstreifen zur Verfügung. Relevant für eine Staubildung ist ohnehin nicht die Anzahl der Fahrspuren „auf der Strecke“, sondern die Zahl der Spuren an den Kreuzungen wie auch die Länge der Grünphasen.

An den Kreuzungen wird es in den meisten Fällen mehr als vier Spuren geben, mit eigenen Spuren für Links- und Rechtsabbieger, je nach Belastung der einzelnen Fahrtrichtungen. Die Tram fährt mit dem Hauptstrom des Kfz-Verkehrs über die Kreuzungen. Der Kfz-Verkehr wird also nicht ständig für die Tram angehalten.

Wird der Kfz-Verkehr durch die Tram behindert?

Nein, denn die Tram fährt mit dem Hauptstrom des Kfz-Verkehrs über die Kreuzungen. Die Autos werden also nicht ständig für die Tram angehalten.

Verlagert sich der Kfz-Verkehr durch die Tram in die Wohnviertel?

Nein. Verkehrsprognosen zeigen keine nennenswerten Verlagerungen in das Straßennetz neben den Hauptverkehrsachsen.

Entfallen durch die Tram-Westtangente Parkplätze?

Auch nach dem Bau der Tram Westtangente soll in ihrem Umfeld genügend Parkraum vorhanden sein. Der Erhalt von ausreichendem Parkraum steht neben anderen Belangen bei allen Planungen mit im Fokus. Zählungen haben ergeben, dass die vorhandenen Parkmöglichkeiten im Umfeld der geplanten Trasse nicht voll ausgelastet sind. 

Werden für die Tram Bäume gefällt?

Nach dem aktuellen Planungsstand können insgesamt mehr neue Bäume gepflanzt werden als für das Tramprojekt und die städtebaulichen Aufwertungsmaßnahmen der Landeshauptstadt München gefällt werden müssen.

Die Planung gewährleistet die größtmögliche Schonung des Baumbestandes im Straßenraum. Auch wird darauf geachtet, dass zu fällende Bäume so weit wie möglich durch Neupflanzungen vor Ort ersetzt werden.

Für unvermeidbare Verluste von Bäumen muss gem. Art. 6a des Bayerischen Naturschutzgesetzes ein Ausgleich bzw. Ersatz geleistet werden. Dies sieht auch die Baumschutzverordnung der Landeshauptstadt München vor, in deren Geltungsbereich der betroffene Baumbestand liegt.

Wird der Münchner Radentscheid von 2019 bei den Planungen der Tram-Westtangente berücksichtigt?

Ja, der mit dem Radentscheid von 2019 beschlossene Ausbau der Radwege-Infrastruktur wird in den Planungen zur Tram-Westtangente berücksichtigt. Eine Machbarkeitsstudie hat ergeben, dass über sechs Kilometer Radwege (einseitig) im Sinne des Radentscheides ausgebaut werden können.

Dennoch kann es abschnittsweise zu Abweichungen von den vorgesehenen Regelmaßen kommen. Grund hierfür sind die örtlichen Gegebenheiten wie bspw. enge Straßenquerschnitte und erhebliche Eingriffe in den Baumbestand. Die in den engen Straßenräumen erforderlichen Kompromisse werden gemeinsam mit den betroffenen städtischen Referaten erarbeitet.