Damit gehen die Projektpartner einen wichtigen Schritt auf dem Weg zu einem flexibleren und effizienteren öffentlichen Nahverkehr. Im Stadtviertel Gern im Stadtteil Neuhausen-Nymphenburg startet der Testbetrieb mit drei autonom fahrenden VW ID. Buzz im Rahmen des Forschungsprojekts MINGA – zunächst noch ohne Fahrgäste und mit Sicherheitsfahrpersonal.
Christian Hirte, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr: „Autonomes Fahren bietet die große Chance, Mobilität neu zu denken. Autonome Fahrzeuge können das öffentliche Verkehrsangebot sinnvoll ergänzen und Menschen besser und flexibler miteinander verbinden. Daher unterstützen wir mit unserer Förderung von rund 13 Millionen Euro auch dieses zukunftsweisende Angebot im öffentlichen Nahverkehr in München. Das Forschungsprojekt MINGA testet nun erstmals autonome On-Demand-Fahrzeuge im öffentlichen Straßenraum und schafft damit wichtige Grundlagen für ähnliche Vorhaben in Deutschland.“
Sinaida Cordes, Prokuristin der SWM/MVG: „Mit dem Start der Testfahrten wird autonomer Nahverkehr erstmals auf Münchens Straßen sichtbar. Für uns ist diese Phase entscheidend, um Technologie, Betrieb und Sicherheit unter realen Bedingungen zusammenzubringen und für uns skalierbar zu machen. So sammeln wir wichtige Erfahrungen dafür, wie autonome On-Demand-Angebote den bestehenden ÖPNV künftig sinnvoll ergänzen können.“
Matthias Erb, Chief Sales Officer von IAV: „Der Testbetrieb im öffentlichen Straßenraum ist ein wichtiger Praxistest für unsere autonome Systemlösung. Unter realen Verkehrsbedingungen zeigt sich, wie Sensorik, Software und Fahrzeug zuverlässig zusammenspielen. Gemeinsam mit SWM und MVG bringen wir die Technologie Schritt für Schritt näher an den späteren Einsatz im öffentlichen Nahverkehr.“
Mobilitätsreferent Georg Dunkel: „Mit dem Start des Testbetriebs, an dem sich die Landeshauptstadt München finanziell maßgeblich beteiligt, bringen wir gleich zwei Zukunftstechnologien auf die Straße: autonomen Verkehr und On-Demand-Mobilität. Ich begrüße es, dass dieses Forschungsprojekt in einem Gebiet stattfindet, dessen Feinerschließung bislang vor allem durch den Fuß-, Rad- und Individualverkehr geprägt ist. Hier können wir unter realen Bedingungen erproben, wie ein flexibles On-Demand-Angebot die Anbindung an die U-Bahn sinnvoll ergänzt und die erste und letzte Meile attraktiver macht. Gleichzeitig gewinnen wir wichtige Erkenntnisse darüber, wie autonome Mobilität künftig sicher und verlässlich in den öffentlichen Nahverkehr integriert werden kann. So schaffen wir die Grundlage für innovative Mobilitätsangebote, die den ÖPNV leistungsfähiger und noch besser auf die Bedürfnisse der Münchnerinnen und Münchner ausrichten.“
Vom Test auf dem Betriebsgelände zur Erprobung im Stadtverkehr
Die Testfahrten im öffentlichen Straßenraum schließen an intensive Vorbereitungen, technische Integrationen und Abstimmungen mit den zuständigen Genehmigungsbehörden an. IAV hat auf Grundlage eines VW ID. Buzz ein Hightech-Shuttle mit moderner Sensorik und Self-Driving-Software entwickelt. Das Fahrzeug kann seine Umgebung detailliert wahrnehmen, Verkehrssituationen analysieren und entlang definierter Routen autonom fahren. Während des gesamten Testbetriebs ist Sicherheitsfahrpersonal an Bord, das den Betrieb überwacht und jederzeit eingreifen kann. Grundlage für den Testbetrieb ist eine Erprobungsgenehmigung nach der Verordnung zur Genehmigung und zum Betrieb von Kraftfahrzeugen mit autonomer Fahrfunktion (AFGBV), die der SWM/MVG seit Mitte August 2026 vorliegt.
Neben der technischen Leistungsfähigkeit stehen die Anforderungen eines späteren Fahrgastbetriebs im Mittelpunkt. Dazu zählen unter anderem Fahrgastinformation, Innenraumgestaltung, Sicherheitskonzept sowie die Integration in den Betrieb und die Leitstelle der MVG. Die Erkenntnisse aus den Testfahrten fließen in die Weiterentwicklung autonomer ÖPNV-Angebote für München.
Schrittweise Annäherung an den Fahrgastbetrieb
In der ersten Phase konzentriert sich der Testbetrieb auf die sichere und stabile Inbetriebnahme des autonomen Fahrsystems im öffentlichen Straßenraum. Die Fahrzeuge fahren dabei auf festgelegten Strecken im Testgebiet und sammeln Daten zu Fahrverhalten, Umfeldwahrnehmung, Verkehrsinteraktion und Betriebsstabilität.
Wenn der Betrieb sicher und zuverlässig funktioniert, wird in einer zweiten Phase das Betriebsgebiet ausgeweitet und das On-Demand-System des Technologiepartners ioki integriert. Die Fahrzeuge erhalten dann ihre Fahrtrouten auf Basis kurzfristiger Fahrtwünsche, die das autonome System anschließend ausführt. Die Software sorgt dafür, dass Fahrgäste ihre Fahrt per App buchen können, und ermöglicht die Bündelung mehrerer Fahrten in einem Fahrzeug sowie den Einsatz der Fahrzeuge genau dort eingesetzt werden, wo sie gerade gebraucht werden. Im Testbetrieb werden die dafür notwendigen Schnittstellen, Datenflüsse und betrieblichen Prozesse zwischen der ioki Plattform und den Fahrzeugen schrittweise erprobt.
Nach erfolgreicher Integration und Abschluss der erforderlichen Abstimmungen ist in einer späteren Projektphase auch die Mitfahrt ausgewählter Testnutzerinnen und Testnutzer vorgesehen. Interessierte können sich bereits im Vorfeld unter mvg.de/minga-anmeldung zur Testnutzung registrieren und werden benachrichtigt, sobald die Mitfahrt möglich ist.
Hinweis für Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer
Die Fahrzeuge sind im öffentlichen Straßenraum als Forschungsfahrzeuge erkennbar. Sie fahren vorausschauend und defensiv. Verkehrsregeln und Sicherheitsanforderungen haben jederzeit Vorrang. Für andere Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer gelten keine besonderen Verhaltensregeln. Da es vereinzelt zu ungewohnten, aber stets kontrollierten Fahr- oder Bremsmanövern kommen kann, ist es sinnvoll, stets einen Sicherheitsabstand zum Erprobungsfahrzeug zu halten.
Autonome Mobilität im Fokus: Das Projekt MINGA
Das Forschungsprojekt MINGA – „Münchens automatisierter Nahverkehr mit Ridepooling, Solobus und Bus-Platoons“ – untersucht, wie autonome Mobilitätsangebote künftig in den öffentlichen Nahverkehr integriert werden können. 16 Partner aus Verwaltung, Forschung, Wirtschaft und Industrie arbeiten unter Konsortialführung des Mobilitätsreferats der Landeshauptstadt München zusammen. Neben dem On-Demand-Testbetrieb sollen bis Mitte 2027 auch ein autonomer Linienbus und ein Bus-Platoon unter realen Bedingungen erprobt werden. Das Vorhaben wird vom Bundesministerium für Verkehr mit rund 13 Millionen Euro gefördert.
Weitere Informationen zum Projekt gibt es auf den Sonderseiten mvg.de/minga und muenchenunterwegs.de/minga.