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  5. 150 Jahre Tram in München

Die Trambahnschienenritzenreinigerin – ein ausgestorbenes Berufsbild

Ein Blick auf eine Arbeit, die früher selbstverständlich war – aber heute kaum noch jemand kennt.

Wer heute an 150 Jahre Tram in München denkt, hat vielleicht historische Fahrzeuge, technische Meilensteine und Schaffnerinnen in alter Dienstkleidung vor Augen. In der langen Geschichte gab es aber auch noch andere Berufe, die von Maschinen abgelöst wurden. Zum Beispiel die Trambahnschienenritzenreinigerinnen, im Volksmund „Trambahnritzenreinigungsdamen“ genannt.

Später Start einer Erfolgsgeschichte

Frauen blieb der Arbeitsplatz in den weiß-blauen Fahrzeugen lange verwehrt. Erstmals durften sie als Schaffnerinnen während der beiden Weltkriege arbeiten. Seit 1965 steuern auch Frauen die Münchner Trambahnen.

Saubere Gleise, sicherer Betrieb

Ein Phänomen vereint Auto, Radl und Tram: Bei Nässe oder Laub auf der Fahrbahn verlängert sich der Bremsweg; außerdem verschleißen Räder und Schienen schneller. Da nur saubere Gleise sicher sind, müssen die Ritzen der Tramgleise regelmäßig gereinigt werden. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts, bevor dafür Maschinen zur Verfügung standen, geschah das mit Muskelkraft: Schaufel, Besen – mehr brauchte es nicht, um Meter für Meter die Schienenrillen auszukratzen.

Um die Jahrhundertwende waren dafür in München rund 24 Frauen im Einsatz. Sie arbeiteten oft frühmorgens oder spätabends, wenn weniger Bahnen unterwegs waren. Die Arbeit war körperlich fordernd, häufig nass und schmutzig – und nicht ungefährlich: Mehrfach kam es zu Unfällen, weil die Frauen vor dem Zeitalter der Warnschutzkleidung für die anderen Verkehrsteilnehmer*innen nur schwer zu erkennen waren.

Ein harter, aber notwendiger Beruf

Trotz dieser Bedingungen war die Tätigkeit eine wichtige Einnahmequelle, besonders in Zeiten, in denen Frauen nur zu wenigen Berufen einen Zugang erhielten. Heute neigen wir dazu, die Schienenritzenreinigerin als Retro-Ikone nostalgisch zu verklären, doch sie war eine Arbeiterin, die einst eine harte Aufgabe übernahm, die sonst niemand erledigte.
Dieser Beruf prägte das Münchner Stadtbild, sodass die bayerische Volksschauspielerin Ida Schumacher dem Beruf einen eigenen Monolog widmete: „Die Trambahnritzenreinigungsdame“ (geschrieben vom Künstler Emil Vierlinger).

Die Technik übernimmt 

Etwa um das Jahr 1935 herum starb der Beruf der Schienenritzenreinigerin aus. Nach und nach wurden maschinelle Verfahren eingeführt: Statt mit Schaufel und Besen ging es dem Dreck nun mit Wasser und Hochdruck an den Kragen. Die Maschinen waren effizienter, schneller – und vor allem sicherer. Heute befreien moderne Fahrzeuge die Gleise von Bremsstaub, Sand oder Baustellenschutt. Überlebt hat die Schienenritzenreinigerin in der Ausstellung des MVG-Museums: Dort ist ihnen und anderen außergewöhnlichen Berufen eine Texttafel gewidmet. Auch ein Werkwohnungsbau der Stadtwerke München in in der Einsteinstraße zeugt von diesem Beruf: An der Fassade wurde der Ritzenreinigerin ein steinernes Denkmal gesetzt.

Weitere Einblicke in 150 Jahre Münchner Tramgeschichte

Geschichte der Tram in München

Von der ersten Pferdetram bis zu den modernen Avenio-Wägen - hier erleben Sie eine Reise durch 150 Jahre bewegte Geschichte in München.

Cockpit-Gespräch über Generationen

Sandra Obradovic ist seit 2025 Trambahnfahrerin, Helmut Kellnhofer fährt seit 1996. Sie sind zwei von über 660 Personen im Tram-Fahrdienst. Im Gespräch kommen die beiden schnell auf grundsätzliche Fragen: Was hat sich im Fahrdienst verändert, was ist bis heute gleich? Was ist wichtig unter Kolleginnen und Kollegen? Und wie kommt man überhaupt zu dem Berufswunsch?

Gesichter bei der Tram

Tram fahren? Klar, dafür braucht es Fachleute im Cockpit. Und Schienen. Sonst noch was? Allerdings! Dafür, dass uns die Straßenbahn jeden Tag ganz selbstverständlich durch die Stadt bringt, arbeiten im Hintergrund eine Menge Menschen, nahezu rund um die Uhr. In der Werkstätte, im Gleisbau, in der Entstörung, Leitstelle, Linienplanung und an so vielen Stellen mehr. Wir stellen hier exemplarisch einige Personen mit Berufen vor. Darunter einige, die Ihnen vielleicht beim Gedanken an die Tram noch gar nicht in den Sinn kamen.

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