50 Jahre Münchner U-Bahn


Das Jubiläum im Netz

Das 50-jährige Bestehen unserer U-Bahn feiern wir standesgemäß dort, wo sich das Geburtstagskind naturgemäß rumtreibt: auf Schienen und in Bahnhöfen. Zwei unserer neuesten Siemens-Züge vom Typ C2 haben sich dafür extra in Schale geworfen. Zusammen mit Siemens haben wir jeweils die Kopfwagen der Züge beklebt und mit dem ikonischen Design der ersten U-Bahnen vom Typ A versehen. So schlagen wir optisch einen Bogen zwischen den Anfängen anno 1971 und der Gegenwart der U-Bahn im Jahre 2021. Die Züge sind voraussichtlich ein Jahr lang im regulären Fahrgastbetrieb auf den Linien U1, U2, U3 und U6. Bitte staunen und einsteigen!

Blick hinter die Kulissen: C2-Zug als A-Wagen verkleidet ...

Auf die ersten 50 Jahre!

Unsere U-Bahn feiert Jubiläum: Auf die ersten 50 Jahre! Am Dienstag, 19. Oktober 1971 wurde der Abschnitt zwischen Kieferngarten, Marienplatz und Goetheplatz eröffnet, nach sechs Jahren Bauzeit und vier Jahren Probebetrieb. Die Strecke war zwölf Kilometer lang und hatte 13 Bahnhöfe. Sie wurde U6 genannt, weil sie die Tramlinie 6 in der Leopoldstraße ersetzte.

100 Bahnhöfe für Hunderttausende Fahrgäste

Aus den überschaubaren Anfängen ist in fünf Jahrzehnten ein ausgedehntes Netzwerk entstanden: Unsere U-Bahn kommt heute auf gut 100 Streckenkilometer und exakt 100 Bahnhöfe. Sie befördert in normalen Zeiten jeden Tag gut eine Million Menschen.

Die U-Bahn bringt Berufstätige zur Arbeit, Kinder in die Schule, Fußballfans ins Stadion und Verliebte zueinander. Sie zeigt Touristen die Stadt, fährt Familien in den Tierpark und Sonnenhungrige ins Grüne. Ohne U-Bahn würde München nicht funktionieren: Sie ist das Rückgrat der Mobilität.

Die U-Bahn wächst, weil München wächst

In den nächsten 50 Jahren soll die Erfolgsgeschichte fortgeschrieben werden: Die Münchner U-Bahn wird modernisiert und weiter ausgebaut, wenn München wächst. Die größte Herausforderung bleibt jedoch, das U-Bahn-System da zu entlasten, wo vor 50 Jahren alles begann: in der Innenstadt. Die geplante Neubaustrecke U9 ebnet der U-Bahn den Weg in die Zukunft.

 
 

Happy Birthday, U-Bahn!

Auf dieser Seite würdigen wir die ersten 50 Jahre. Für unser Jubiläum haben wir tief in den Archiven gegraben und für Sie allerlei Zahlen, Daten, Fakten sowie historisches Bild- und Videomaterial zusammengestellt. Wir laden Sie ein zu einer Zeitreise durch die letzten fünf Jahrzehnte Münchner U-Bahngeschichte.

 

Sie haben unsere Live-Jubiläumssendung vom 23. September verpasst? Auf unserem YouTube-Kanal haben wir den Mitschnitt für Sie hinterlegt!

Steigen Sie ein, zu einer spannenden Fahrt durch die Geschichte der Münchner U-Bahn. Moderiert von Thomas Ohrner blicken wir mit seinen Gästen in die 50-jährige Historie der U-Bahn zurück, erleben einen Fahrer der ersten Stunde und fahren weiter Richtung Zukunft. Eine Planerin der SWM/MVG präsentiert bereits heute den möglichen Streckenverlauf der späteren U9. Zusätzlich schauen wir in der topmodernen Leitstelle Münchens vorbei und erfahren vom Chef des Fundbüros, was die Fahrgäste so alles in der U-Bahn liegen lassen.

50 Jahre U-Bahn - Die Jubiläumssendung

 

Die U-Bahn entsteht

London macht 1863 den Anfang. Berlin ist 1902 der Vorreiter in Deutschland, und Hamburg folgt 1912. Da wird in München zwar auch schon an eine Untergrundbahn gedacht. Es dauert aber noch 59 Jahre, bis unsere U-Bahn 1971 den Betrieb aufnimmt.

1938: Spatenstich für eine Tiefbahn

Erste Konzepte für Tunnelstrecken gibt es in München bereits Anfang des 20. Jh. Sie bleiben jedoch Gedankenspiele. 1928 entsteht ein Generallinienplan mit fünf U-Bahnstrecken. Ab 1935 wird ein unterirdisches Schnellbahnnetz geplant. Baubeginn ist am 22. Mai 1938 in der Lindwurmstraße. Zwischen Reisingerstraße und Goetheplatz entsteht ein rund 600 Meter langer Tunnel für eine Nord-Süd-S-Bahn. 1941 werden die Bauarbeiten am so genannten Lindwurmtunnel kriegsbedingt eingestellt.

Der „überdimensionierte“ Lindwurmtunnel wird seit 1971 von der U3/U6 befahren. In den bis heute vorhandenen Wandnischen sollten einst Masten für die Oberleitung der ursprünglich geplanten Tiefbahn aufgestellt werden. Auch der Bahnhof Goetheplatz wurde auf S-Bahn-ähnliche Züge ausgelegt; sein Bahnsteig ist daher rund 15 Meter länger als üblich. Der Lindwurmtunnel diente auch als Luftschutzkeller. Wandbeschriftungen zeugen noch heute davon.

 

Tunnelbau Lindwurmstraße 1938 Tunnelbaustelle in der Lindwurmstraße 1938 © Archiv Landeshauptstadt München

1965: Baubeginn für unsere U-Bahn

Gleich nach dem Krieg gibt es neue Ideen. Viele Jahre denken die Fachleute dabei auch an so genannte Unterpflaster-Straßenbahnen. 1964 legt sich der Stadtrat aber auf eine „echte“ U-Bahn fest. Die Bauarbeiten beginnen am 1. Februar 1965 in der Ungererstraße. Die Station Nordfriedhof (Planungsname Schenkendorfstraße) und der erste U-Bahntunnel mit einer Höhe von 4,9 Metern und einer Breite von 7,6 Metern entstehen in offener Bauweise. Die Baugruben müssen aufwändig gegen eintretendes Grundwasser geschützt werden.

1967: Startschuss für Probebetrieb

Der ca. 1,9 Kilometer lange Abschnitt zwischen Nordfriedhof und Studentenstadt wird in 29 Monaten errichtet und technisch ausgerüstet. Bereits am 6. Juli 1967 beginnt hier der Probebetrieb mit dem ersten Vier-Wagen-Zug. Am 19. Oktober 1968 findet ein „Tag der offenen Tür“ an der Teststrecke statt. Die „Olympialinie“ U3 (Münchner Freiheit - Olympiazentrum) wird ab 10. Mai 1967 gebaut, nachdem München ein Jahr zuvor den Zuschlag für die Olympischen Sommerspiele 1972 erhalten hatte.

Verantwortlich für die Planung und den Bau ist das städtische U-Bahn-Referat unter Leitung von Dr. Klaus Zimniok. Es zählt 1972 rund 260 Mitarbeiter. Die Finanzierung des U-Bahnbaus übernimmt die Münchner Tunnelgesellschaft mbH (MTG), an der die Landeshauptstadt, der Freistaat, der Bund und wegen des S-Bahnbaus auch die Bundesbahn beteiligt sind. Die Gesamtkosten für die U6 werden auf 728 Millionen Mark taxiert.

Klaus Zimniok gilt als der Vater der Münchner U-Bahn | Stadt München (merkur.de)

Aus finanziellen und konzeptionellen Gründen werden drei U-Bahn-Stammstrecken realisiert (U1/U2, U3/U6, U4/U5). In der ursprünglichen Planung waren jedoch vier Stränge vorgesehen. Eine vierte „Lebensader“ benötigen wir heute dringender denn je. Sie wird unter dem Namen U9 mit Hochdruck geplant, um die bestehende U-Bahn zu entlasten.

 

1971: Startschuss im Zeichen von Olympia

Am 19. Oktober 1971 um 10 Uhr wird die zunächst zwölf Kilometer lange „Nord-Süd-Linie 6“ zwischen Goetheplatz und Kieferngarten feierlich eröffnet. Bei der anschließenden Festveranstaltung im „Schwabinger Bräu“ treten die „Hot Dogs“, die Münchner Bläserbuben sowie Maria und Margot Hellwig auf. 1.600 Ehrengäste sind geladen.

Rechtzeitig zu den Olympischen Sommerspielen kommt am 8. Mai 1972 der rund vier Kilometer lange U3-Abschnitt mit den vier U-Bahnhöfen Bonner Platz, Scheidplatz, Petuelring und Olympiazentrum dazu. Knapp 200 Beschäftigte des U-Bahnbetriebshofs hatten zuvor den zu erwartenden Massenansturm im „Sportbetrieb“ erfolgreich erprobt. Die U-Bahn ist für Olympia gerüstet.

Die Liniennummer U3 ist genauso alt wie die U6. Ab 1971 verstärken U3-Züge die U6 zwischen Goetheplatz und Münchner Freiheit. Als 1972 der Olympia-Abschnitt dazukommt, fährt die U3 bis zum Olympiazentrum. Ca. 60 Prozent der Olympia-Besucher*innen nutzen die U-Bahn. Sie besteht ihre erste große Bewährungsprobe.

Die Gestaltung der ersten U6-Bahnhöfe fällt schlicht aus: Ihre Wände werden einheitlich mit farbbeschichteten Eternitplatten und Naturstein (Nagelfluh) verkleidet. Auf der U3 dominiert Sichtbeton, aufgelockert durch künstlerische Motive. Individuelle Akzente setzen die mit farbigen Keramikplatten verkleideten Säulen, Aufgänge und Zwischengeschosse sowie die Linienbänder in Blau (U6) und Orange (U3) an den Bahnsteigwänden.

Besondere U-Bahnhöfe in München (muenchen.de)

Die U-Bahn wächst

Genau neun Jahre nach ihrer Eröffnung wächst die U-Bahn 1980 über die U3/U6 hinaus: Die U8 zwischen Scheidplatz, Hauptbahnhof und Neuperlach Süd geht in Betrieb (heute U2 und U5). Das Netz ist damit ca. 35 Kilometer lang. 1981 befördern die damaligen SWM-Verkehrsbetriebe erstmals mehr Fahrgäste mit der U-Bahn als mit der Tram.

Wachstum in alle Richtungen

1983 wird die 200-Millionen-Marke überschritten. Die U1 erreicht den Rotkreuzplatz. Ab 1984 entsteht im Stadtzentrum schrittweise die U4/U5. Parallel dazu wächst der Betriebshof in Fröttmaning: Er wird bis Ende der 80er-Jahre zur Technischen Basis erweitert. 1989 ist das Grundnetz mit den drei Stammstrecken im Kern vollendet und über 60 Kilometer lang. Die Außenäste werden in den kommenden 20 Jahren bis in die Stadtrandbezirke verlängert.

50 Jahre Münchner U-Bahn: Der damalige OB Hans-Jochen Vogel erinnert sich | Stadt München (merkur.de)

Doppeltriebwagen bis heute im Einsatz

Der seit den 60er-Jahren gebaute A-Wagen prägt die Gründerjahre der U-Bahn und gehört bis heute zum typischen Erscheinungsbild. Ab 1981 werden die verbesserten B-Wagen getestet; sie gehen 1988 in den Regelbetrieb. 1992 fahren bereits über 250 Millionen Fahrgäste mit der U-Bahn.

Bei den U-Bahnzügen vom Typ A und B handelt es sich um Doppeltriebwagen (zwei Einheiten). In der Regel bilden drei Doppeltriebwagen (sechs Einheiten) einen Zug. Die modernen Gliederzüge vom Typ C bestehen zwar ebenfalls aus sechs Teilen. Sie sind aber durchgängig begehbar. Klassische Waggons sind Geschichte.

 

Münchner U-Bahn bis Garching

Am 25. September 1995 geht Münchens 500. U-Bahnwagen in Betrieb. Kurz darauf überschreitet die Münchner U-Bahn erstmals die Stadtgrenze: Am 28. Oktober 1995 wird die U6 nach Garching-Hochbrück verlängert. Das Netz umfasst jetzt über 75 Kilometer. Ab Ende 2002 kommt der moderne Gliederzug vom Typ C1 mit über 900 Fahrgastplätzen zum Einsatz.

Die Technische Basis in Fröttmaning hält die U-Bahn am Laufen. Hier gibt es einen Betriebshof für Wartungsarbeiten und die Hauptwerkstätte für aufwändige Arbeiten wie etwa Hauptüberholungen. Die C-Züge belegen eine eigene Halle. Auf dem Areal befinden sich auch eine Sattlerei, eine Schlosserei, eine Schreinerei, eine Siebdruckerei und weitere Spezialwerkstätten.

 

(Keine) Endstation in Moosach

Das Jahr 2010 markiert den vorläufigen Abschluss des U-Bahnbaus: Am 11. Dezember wird die U3 vom Olympia-Einkaufszentrum zum Moosacher Bahnhof verlängert. Die Station ist – wie viele der neueren  U-Bahnhöfe – künstlerisch gestaltet: Pflanzenbilder im XL-Format zieren die Bahnsteigwände.

Bei der individuellen Gestaltung von U-Bahnhöfen ist der Königsplatz 1980 der Vorreiter: Nachbildungen berühmter Gemälde und Skulpturen zieren dort die Bahnsteigebene. Die zur Gartenbauausstellung 1983 eröffneten U6-Stationen am Westpark bringen Farbe in den Untergrund. Ab Mitte der 90er-Jahre gleicht keine Bahnhofsgestaltung mehr der anderen. Viele U-Bahnstationen erhalten ein einzigartiges Erscheinungsbild.

Florian Schütz listet auf u-bahn-muenchen.de alle U-Bahnstationen mit zahlreichen Bildern:
Liste aller Bahnhöfe der Münchner U-Bahn - U-Bahn München (u-bahn-muenchen.de

Erneuerung im Mittelpunkt

Modernisierung und Sanierung rücken im neuen Jahrtausend verstärkt in den Fokus. Einige in die Jahre gekommenen U-Bahnhöfe werden erneuert und umgestaltet, vor allem die Stationen Münchner Freiheit (2009), Hauptbahnhof (2014), Marienplatz (2015) und Sendlinger Tor (bis 2023). Aufwändige Weichen- und Gleiserneuerungen machen zunehmend Vollsperrungen erforderlich.

Streckenfreigaben im Überblick

Datum Linie * Neubauabschnitt Länge (km)

19.10.1971

U6

Goetheplatz – Kieferngarten

12,0

08.05.1972

U3

Münchner Freiheit – Olympiazentrum

4,0

22.11.1975

U6/U3

Goetheplatz – Harras

2,7

28.05.1978

U6/U3

Eröffnung U-Bf. Poccistraße (nachträglicher Einbau)

 

18.10.1980

U2/U5

Scheidplatz – Neuperlach Süd

16,0

16.04.1983

U6/U3

Harras – Holzapfelkreuth

2,7

28.05.1983

U1

Hauptbahnhof – Rotkreuzplatz

3,3

10.03.1984

U5

Karlsplatz (Stachus) – Westendstraße

4,6

 

 

Verbindungsgleis und Betriebsanlage Theresienwiese

1,4

01.03.1986

U5

Karlsplatz (Stachus) – Odeonsplatz

0,7

24.03.1988

U5

Westendstraße – Laimer Platz

1,4

27.10.1988

U5/U4

Odeonsplatz – Innsbrucker Ring / Arabellapark

7,7

 

 

Erweiterung Betriebshof Fröttmaning

0,3

28.10.1989

U3

Implerstraße – Forstenrieder Allee

6,1

01.06.1991

U3

Forstenrieder Allee – Fürstenried West

1,9

22.05.1993

U6

Holzapfelkreuth – Klinikum Großhadern

2,9

20.11.1993

U2

Scheidplatz – Dülferstraße

5,0

30.06.1994

U6

Kieferngarten – Fröttmaning

1,0

28.10.1995

U6

Fröttmaning – Garching-Hochbrück

3,8

26.10.1996

U2

Dülferstraße – Feldmoching

1,9

09.11.1997

U1

Kolumbusplatz – Mangfallplatz

3,6

23.05.1998

U1

Rotkreuzplatz – Westfriedhof

2,0

29.05.1999

U2

Innsbrucker Ring – Messestadt Ost

7,7

18.10.2003

U1

Westfriedhof – Georg-Brauchle-Ring

0,7

31.10.2004

U1

Georg-Brauchle-Ring – Olympia-Einkaufszentrum

0,6

04.05.2005

U6

Erweiterung Bahnhof Fröttmaning

0,5

14.10.2006

U6

Garching-Hochbrück – Garching-Forschungszentrum

4,4

28.10.2007

U3

Olympiazentrum – Olympia-Einkaufszentrum

2,2

11.12.2010

U3

Olympia-Einkaufszentrum – Moosach

2,0

 

 

Gesamtlänge inkl. Wendeanlagen/ Betriebsgleisen

103,1

* Heutige Liniennummern

Florian Schütz zeigt auf u-bahn-muenchen.de alle relevanten Ausbauzustände bis 2006, jeweils mit Netzplan:
Netz im Wandel der Zeit - U-Bahn München (u-bahn-muenchen.de)

Die U-Bahn in Zukunft

Die Signale stehen auf Erneuerung und Ausbau: In den nächsten Jahren wird das Netz schrittweise von Grund auf saniert, technisch ertüchtigt und erweitert. Ziel ist, dass die U-Bahn leistungsfähig bleibt und in Zukunft noch mehr Fahrgäste zuverlässig und sicher befördert.

Bauarbeiten für die U-Bahn von Morgen

Die Erneuerng der teils über 50 Jahre alten Infrastruktur wird auch die kommenden Jahre prägen und zahlreiche Baustellen mit sich bringen. Sie sind Voraussetzung dafür, dass die U-Bahn auch in den nächsten Jahrzehnten leistungsfähig bleibt. So wird noch bis 2023 der U-Bahnhof Sendlinger Tor umfangreich erneuert, modernisiert und ausgebaut. Einige weitere Stationen aus der Anfangszeit sollen über die nächsten Jahre ebenfalls saniert werden. 

Prägend für den ÖPNV ist jedoch auch die Corona-Pandemie. Ihre Auswirkungen schränken die Handlungsspielräume seit 2020 stark ein. Die finanziellen Folgen der Pandemie führen dazu, dass viele Vorhaben überprüft und vorübergehend zurückgestellt werden müssen, bis sie wieder finanziert werden können.

Gliederzüge statt A- und B-Wagen

Der Wagenpark der Münchner U-Bahn soll bis in die 30er-Jahre hinein komplett erneuert werden. Die A- und B-Wagen werden schrittweise durch moderne Gliederzüge mit höherer Fahrgastkapazität ersetzt. Nach und nach soll auch das Angebot weiter verbessert werden, wenn die Folgen der Corona-Krise überwunden sind.

Ausbaupläne bis in die 40er-Jahre

Das U-Bahnnetz soll in den kommenden Jahren auch erweitert werden. Folgende Verlängerungen sind geplant:

  • U6 vom Klinikum Großhadern nach Martinsried (2025/26)
  • U5 vom Laimer Platz nach Pasing (2029) und später nach Freiham
  • U4 vom Arabellapark Richtung Englschalking (nach 2035)
  • U9 zwischen Implerstraße, HBF und Münchner Freiheit (Ende der 30er-Jahre)
  • U26 zwischen Kieferngarten und Am Hart (nach der U9)

Entlastung in Sicht

Die U9-Spange ist systemrelevant für die U-Bahn von Morgen: Sie wird das Netz in der Innenstadt massiv entlasten und den Betrieb weniger störungsanfällig machen. Die U9 ermöglicht dichtere Takte auch auf den Außenästen und ist Voraussetzung für weitere Streckenverlängerungen. Außerdem entstehen neue Direktverbindungen, etwa vom Hauptbahnhof zur Allianz Arena und weiter zum Forschungszentrum in Garching.

Die Bezeichnung U9 ist nicht ganz neu: Die heutige U4 hieß in ihrer Planungszeit zunächst U9. Die Liniennummer ging darauf zurück, dass der Verlauf der neuen U-Bahn teilweise dem Weg der Tramlinien 9, 19 und 29 entsprach. Eröffnet wurde die U9 1988 als U4. Die U8 verkehrt seitdem als U2.

 

U-Bahn jenseits der Stadtgrenze

Im Münchner Nahverkehrsplan finden sich zahlreiche weitere Ideen für Neubaustrecken, die geprüft werden. Dazu gehören etwa eine Fortführung der U1 im Norden zum Lerchenauer See und der Ausbau der südlichen U5 Richtung Ottobrunn/Taufkirchen. Erweiterungen sind auch zum Klinikum Harlaching (U1 Süd), nach Neuried (U3 West) oder Germering (U6 West) denkbar. Für weitere Relationen wird geprüft, ob eine Tram oder eine U-Bahn mehr Sinn macht.

Zweiter Betriebshof und neue Leitstelle

Voraussetzung für den Ausbau der U-Bahn ist ein zweiter Betriebshof. Dieser entsteht in Neuperlach Süd und soll ab Ende 2026 schrittweise eröffnet werden. Er hat Platz für 30 Züge, bietet zusätzliche Werkstattkapazitäten und einen Infrastruktur-Stützpunkt zur Instandhaltung des Netzes.

Bereits im Herbst 2021 nimmt das neue MVG-Betriebszentrum den Betrieb auf. U-Bahn, Tram und Bus bekommen damit erstmals eine gemeinsame Leitstelle. Die Steuerung des ÖPNV und die Fahrgastinformation werden damit erheblich verbessert. 

Auf die nächsten 50 Jahre!

Das U-Bahn-ABC

Unsere U-Bahn von A bis Z

A-WagenA wie A-Wagen: Die älteste Fahrzeug-Generation der Münchner U-Bahn. Bis 1983 wurden insgesamt 194 A-Doppeltriebwagen ausgeliefert. Heute sind noch 155 im Einsatz.

B wie B-Wagen: Die zweite Baureihe sieht dem A-Wagen ähnlich (sichtbare Unterschiede: Panoramascheibe vorne, braune Sitze). Bis 1994 kamen 63 Doppeltriebwagen; 57 fahren noch heute.

C wie C-Zug: Der erste von 18 C1-Zügen wurde 2002 eingesetzt. Seit 2016 verkehren außerdem die C2-Züge (derzeit 32, weitere folgen). Es handelt sich um durchgängige Gliederzüge ohne klassische Waggons.

D wie Durchrutschweg: Der Durchrutschweg ist der hinter dem Zielsignal liegende Teil der für eine U-Bahnfahrt freigegebenen Strecke. Dieser muss aus Sicherheitsgründen freigehalten werden, um Unfälle zu verhindern, falls der Zug über das Signal hinausfährt.

A-, B- und C-Zug auf einem BildE wie Elektromobilität: Die U-Bahn ist gelebte Elektromobilität. Sie fährt seit 1971 mit Strom und seit 2018 mit Ökostrom.

F wie FO: Das Kürzel steht für „Fahren nach ortsfesten Signalen“. Das bedeutet, dass der Fahrer den Zug manuell steuert und auf die Signale achten muss. Die Fahrautomatik ist dann nicht eingeschaltet.

G wie Gleichrichterwerke: Sie versorgen die U-Bahn mit Energie. Dazu wird der Strom aus dem SWM Netz in Fahrstrom mit 750 Volt Gleichspannung umgewandelt.

H wie HVZ: Das Kürzel steht für Hauptverkehrszeit, also den Berufsverkehr morgens und nachmittags. Andrang und Zugfolge sind dann am dichtesten.

Mittelbahnsteigwie Inselbahnsteig (auch Mittelbahnsteig): Bei dieser in München üblichen Bauform liegt der Bahnsteig zwischen den beiden Streckengleisen. Außenbahnsteige gibt es in München nur an wenigen Stationen, z.B. am Nordfriedhof (U6) oder Richard-Strauss-Straße (U4).

J wie Jahresfahrplan: Zum Fahrplanwechsel im Dezember tritt europaweit der neue Fahrplan in Kraft. Die Abfahrtszeiten sind dem Fahrpersonal auf die Sekunde genau vorgegeben, damit der Betrieb möglichst pünktlich läuft (sog. Sekundenfahrplan).

K wie Kursnummer: Jeder U-Bahnzug erhält eine Kursnummer, wenn er im Einsatz ist. Damit lassen sich die Züge intern eindeutig unterscheiden. Die Nummer steht auch auf einem Display in der Frontscheibe.

L wie LZB: Die Linienzugbeeinflussung (LZB) steuert den U-Bahnbetrieb automatisiert. Dies erfolgt im Wesentlichen über parallel zu den Gleisen verlegte Kabel, die Fahraufträge, Höchstgeschwindigkeit und Bremsweg induktiv an die Fahrzeuge übermitteln.

M wie mündliche Fahrerlaubnis: Die Leitstelle erteilt eine solche Genehmigung über Funk, wenn kein signalisierter Betrieb möglich ist. Der Zug fährt dann „auf Sicht“ mit 25 km/h.

NotbremseN wie Notbremse: Im Notfall kann jeder Fahrgast damit einen Zug zum Stoppen bringen. Wenn die U-Bahn den Bahnhof verlassen hat, wirkt die Notbremse erst im nächsten Bahnhof, damit der Zug nicht schlecht erreichbar im Tunnel stehen bleibt.

O wie offene Bauweise: Bei dieser Bauweise wird eine Baugrube ausgehoben, in der anschließend das Bauwerk entsteht. Wenn die Grube teilweise abgedeckt wird, um den Straßenverkehr nicht zu behindern, spricht man von einer Deckelbauweise. Bei der geschlossenen Bauweise bohrt sich der „stählerne Maulwurf“ durch den Untergrund (bergmännischer Vortrieb).
 
P wie P6: So wird ein Personenzug (im Gegensatz zu L = Leerzug) mit sechs Wagen intern bezeichnet. P4 steht demnach für einen 4-Wagen-Zug. Die kleinste Einheit ist ein P2, also ein Doppeltriebwagen.

Q wie Qualitätssicherung: Damit das Personal auf dem Laufenden bleibt, finden regelmäßig Schulungen statt. Außerdem wird permanent beobachtet, ob der Betrieb regelkonform abläuft.

RolltreppeR wie Rolltreppen: In der Münchner U-Bahn gibt es 732 Rolltreppen. Damit ist die MVG einer der größten Betreiber von Rolltreppen in Deutschland. Die Verfügbarkeitsrate liegt bei mehr als 95 Prozent.

S wie Stromschiene: Im Unterschied zur Oberleitung der Trambahn erfolgt die Stromversorgung der Münchner U-Bahn mittels einer seitlich im Gleisbereich montierten Stromschiene. Über am Zug befestigte Stromabnehmer gelangt der Strom in die Fahrzeuge.

T wie Totmann: Diesen Knopf darf das Fahrpersonal während der Fahrt nicht länger als drei Sekunden loslassen. Sonst wird der Zug automatisch eingebremst. Der Mechanismus stellt sicher, dass der Zugführer dienstfähig und damit die Sicherheit gewährleistet ist.

U wie Umformer: Da Gleichstrom nicht über einen Trafo transformiert werden kann, wird die niedrigere Spannung für Kleinverbraucher im Fahrzeug über einen rotierenden Umformer, der im weitesten Sinne ähnlich wie ein Fahrraddynamo funktioniert, erzeugt.

V wie Ventile: Zur Steuerung der pneumatischen Komponenten wie Bremsen, Kupplungen und Sekundärfederung sind in den Luftleitungen der Züge an verschiedenen Stellen Ventile verbaut. Damit kann bei Bedarf der Luftfluss unterbrochen werden.

W wie Wagenkurzschließer: Damit kann der Fahrer im Notfall den Fahrstrom abschalten, indem ein Kurzschluss erzeugt wird. Zur weiteren Absicherung werden sog. Streckenkurzschließer an die Stromschiene angelegt.

DFI-AnzeigerZ wie Zugzielanzeiger: Sie zeigen an den Bahnsteigen die nächsten Abfahrten, Sondertexte und Zugeinfahrten an. Die 434 Anzeiger „blitzen“ in regelmäßigen Abständen. Durch den „Pixel-Refresh“ wird verhindert, dass sich die Anzeigetexte als Schatten in die Displays einbrennen.

Unsere Galerien

Bildergalerie | Entstehung der U-Bahn

Bildergalerie | Inbetriebnahme & Ausbau

Bildergalerie | Die Zukunft der U-Bahn

Videogalerie

50 Jahre U-Bahn - Die Jubiläumssendung

 

Münchens U-Bahnen: Das ist der A-Wagen

 

Münchens U-Bahnen: Das ist der B-Wagen

 

Münchens U-Bahnen: Das ist der C1-Zug

 

Münchens U-Bahnen: Das ist der C2-Zug

 

Zu Besuch im U-Bahn-Betriebszentrum der MVG (2019) - Video zum neuen Betriebszentrum folgt

 

Nachts am U-Bahnhof – Rolltreppentausch am Heimeranplatz (2016)

 

Mit dem Schienenschleifzug unterwegs im U-Bahn-Tunnel (2017)

 

Tauchen im U-Bahn-Schacht - mit der MVG im Untergrund unterwegs (2017)

 

Deine U-Bahn-Linie U6

 

Deine U-Bahn-Linie U3

 

50 Jahre U-Bahn - so fing alles an!

 

Meine U-Bahn und ich: Fahrgäste erzählen von ihren Erlebnissen in der Münchner U-Bahn

Die U-Bahn in Zahlen