Freitag, 26.02.2016

    Spatenstich für Tram Steinhausen: Straßenbahn-Netz wächst

    Das Münchner Straßenbahnnetz wächst weiter, dieses Mal im Münchner Osten: Die neue Verbindung vom U-Bahnhof Max-Weber-Platz zum S-Bahnhof Berg am Laim – die Tram Steinhausen – ist knapp 3 Kilometer lang und wird künftig von der verlängerten Linie 25 (Grünwald – Max-Weber-Platz – Berg am Laim Bf.) bedient.

    Heute war Spatenstich auf dem Areal der künftigen Wendeschleife zwischen dem S-Bahnhof Berg am Laim und dem Hochhaus der Süddeutschen Zeitung an der Hultschiner Straße. Oberbürgermeister Dieter Reiter, Stefan Hilscher, Geschäftsführer des Süddeutschen Verlags, und Herbert König, Vorsitzender der MVG-Geschäftsführung und SWM Geschäftsführer Verkehr, griffen beherzt zur Schaufel.

    Die ca. 2,7 Kilometer lange Tram Steinhausen wird auf den ersten ca. 1,4 Kilometern vom Max-Weber-Platz zum Vogelweideplatz auf den bestehenden Betriebsgleisen in der Einsteinstraße verlaufen; diese werden bisher nur zum Ein- und Ausrücken sowie im Umleitungsfall genutzt. Zwischen Vogelweideplatz und S-Bahnhof Berg am Laim (Hultschiner Straße) bauen die SWM eine ca. 1,3 Kilometer lange Neubaustrecke auf eigener Rasengleis-Trasse entlang der Truderinger Straße. Ein anspruchsvolles Gestaltungskonzept mit viel Grün und einem schlanken Fahrleitungssystem wird dazu beitragen, dass sich die Neubaustrecke gut in die Umgebung einfügt.

    Das Straßenbahnnetz erreicht nach Fertigstellung dieser Netzerweiterung eine Ausdehnung von ca. 82 Kilometern. Die Zahl der Tram-Haltestellen steigt um 6 von 166 auf 172. Die Investitionskosten liegen bei rund 18 Millionen Euro. Der Freistaat Bayern fördert das Neubauprojekt aus Mitteln des Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes (GVFG).

    Städtebauliche Entwicklung ausschlaggebend
    Ausgangspunkt für den nun beginnenden Ausbau war das Ziel, die aufstrebenden Geschäfts- und Gewerbestandorte zwischen Vogelweideplatz und Zamdorf (v.a. „Bogenhausener Tor“, Gewerbegebiet Steinhausen, SZ) hochwertig, leistungsstark sowie wirtschaftlich an den bestehenden ÖPNV anzubinden und möglichst gut zu vernetzen. Dies geht mit einer Tram am besten, die neben den städtischen Entwicklungsgebieten auch die zahlreichen Wohnorte und Arbeitsplätze entlang der Einsteinstraße erschließt und am Bahnhof Berg am Laim kreuzungsfrei und auf kurzem Fußweg mit der S-Bahn verbunden ist. Die Prognosen der Gutachter lassen nach Fertigstellung der Bebauung knapp 7.000 Fahrgäste pro Werktag am stärksten Querschnitt erwarten. Derzeit wohnen im Einzugsbereich der neuen Tramhaltestellen etwa 16.000 Münchnerinnen und Münchner, die mit der Straßenbahn eine attraktive Anbindung an das Schienennetz mit direktem Anschluss zur U- und S-Bahn erhalten. Im Busnetz wird durch die neuen Linienführungen auch das neue Wohngebiet Baumkirchen-Mitte (südlich des S-Bahnhofs Berg am Laim) besser angebunden und eine neue Verbindung von Berg am Laim zum Michaelibad (U5) geschaffen.

    Reiter: Standortvorteil Trambahn
    Oberbürgermeister Dieter Reiter: „Der Münchner Osten blüht weiter auf: Hier wächst die Stadt in die Zukunft und bekommt gleichzeitig ein neues Highlight auf Schienen. Die Tram Steinhausen macht die attraktiven Büro-, Hotel- und Gewerbestandorte mit ihren vielen neuen Arbeitsplätzen noch attraktiver, stärkt den ÖPNV und damit den Klimaschutz. Deswegen wurde diese Straßenbahnstrecke zuletzt 2014 im Stadtrat auch einstimmig beschlossen. Für die Stadtbezirke Au-Haidhausen, Bogenhausen und Berg am Laim, durch die die neue Strecke verläuft, ist die Tram Steinhausen ein echter Standortvorteil.“

    Stefan Hilscher, Süddeutscher Verlag: „Vor unserer Tür entsteht ein neuer Verkehrsknoten im Münchner Osten mit Trambahn, S-Bahn und mehreren Buslinien. Damit rückt die ‚Süddeutsche Zeitung‘, aber auch unser gern besuchtes Druckzentrum, ein Stück mehr ins Zentrum, was uns alle sehr freut und das gesamte Quartier sicher spürbar aufwerten wird. Der Süddeutsche Verlag ist auch einer der Geburtshelfer der neuen Tram gewesen. Schließlich wird die neue Wendeschleife auf einem ehemaligen SV-Grundstück gebaut. Unsere Mannschaft wird sicher zu den fleißigsten Fahrgästen der neuen Straßenbahn zählen.“

    König: Verbesserung mustergültig
    MVG-Chef Herbert König: „Die Tram Steinhausen ist ein mustergültiges Beispiel für effiziente ÖPNV-Verbesserung: Wir bekommen knapp 3 Kilometer mehr Netz mit nur 1,3 Kilometer Neubaustrecke, sichern zum richtigen Zeitpunkt eine umweltfreundliche und stadtverträgliche Erschließung und bereichern das ÖPNV-Netz auch darüber hinaus, weil eine neue Tangente zwischen Haidhausen und Berg am Laim entsteht, die an beiden Enden bestens mit dem bestehenden Netz verknüpft wird und durch ihre hohe Attraktivität Autoverkehr vermeiden wird. Wir freuen uns, dass heute endlich der Spatenstich erfolgen konnte und werden unser Möglichstes tun, um die Neubaustrecke noch heuer zu eröffnen.“

    Die Fahrzeit zwischen Max-Weber-Platz und S-Bahnhof Berg am Laim wird etwa 8 Minuten betragen. Folgende Haltestellen werden angefahren:

    • Max-Weber-Platz (U4/U5; Tram 15, 16, 19; StadtBus 148)
    • Flurstraße (StadtBus 148)
    • Grillparzerstraße (MetroBus 54, StadtBus 100)
    • Einsteinstraße (MetroBus 59)
    • Vogelweideplatz
    • Riedenburger Straße
    • Berg am Laim Bf. (S2, S4, S6; StadtBus 185, 187, 190/191)
       

    Die beiden Haltestellen Grillparzerstraße und Einsteinstraße bestehen bereits. Die Haltestelle am Max-Weber-Platz erhält für die Tram Steinhausen einen zusätzlichen Bahnsteig in Richtung Berg am Laim. Die Haltestellen Flurstraße, Vogelweideplatz, Riedenburger Straße und Berg am Laim werden neu gebaut.

    Alle Haltestellen bekommen ein Blindenleitsystem (Rippenplatten), eine Wartehalle mit Sitzgelegenheiten, Abfalleimer, Lautsprecher und DFI-Anzeiger. Ticket-Automaten sind an den Haltestellen Max-Weber-Platz, Grillparzerstraße, Einsteinstraße (bereits vorhanden), Vogelweideplatz, Riedenburger Straße und Berg am Laim Bf. vorgesehen, Fahrradständer zum Umstieg zwischen Tram und Rad an den Haltestellen Vogelweideplatz, Riedenburger Straße und Berg am Laim (überdacht). Eine MVG Radstation gibt es bereits jetzt am Max-Weber-Platz, Flächen für zwei weitere werden an den künftigen Haltestellen Vogelweideplatz und Berg am Laim Bf. freigehalten.

    Die neue Tramtrasse wird gestalterisch in den angrenzenden Stadt- und Straßenraum eingebunden und begrünt.

    • Die Züge fahren auf der gesamten Strecke auf einem eigenen Gleiskörper, also unabhängig vom Individualverkehr – und durchgängig auf Rasengleis.
    • In der östlichen Truderinger Straße sind neben den Schienen auch breitere Randzonen mit extensiven Blumenwiesen geplant, durch die ein stimmungsvoller Kontrast zum Rasengleis entsteht. Extensive Blumenwiesen mit lockeren Baumgruppen und Einzelbäumen entstehen auch an der Hultschiner Straße sowie im Bereich der Wendeschleife und schaffen dort ein attraktives Erscheinungsbild.
    • Die Truderinger Straße erhält bis zur Kreuzung mit der Riedenburger Straße begleitend zur Tramlinie eine durchgehende Baumreihe als angemessenes Pendant zur lockeren Bepflanzung der gegenüberliegenden Parkbuchten und der geplanten parkartigen Bepflanzung des direkt angrenzenden Entwicklungsquartiers „Bogenhausener Tor“.
    • Baumpflanzungen auf den Warteflächen der Haltestellen akzentuieren und gliedern die Straßenbahnstrecke, kennzeichnen den Ort der Haltestelle und schaffen eine angenehme Aufenthaltsqualität. Insgesamt werden entlang der Trasse rund 90 neue Bäume gepflanzt.
    • Wie bereits nach St. Emmeram und in Pasing realisieren SWM/MVG ein schlankes Fahrleitungssystem, das besonders stadtbildverträglich erscheint. Es handelt sich dabei um eine so genannte Seilgleiterfahrleitung, die ohne ein zusätzliches Tragseil auskommt.
       

    Der an die Neubaustrecke angrenzende Straßenraum wird umgestaltet und verbreitert, um den Anforderungen des Auto- und Lieferverkehrs im Bereich des Gewerbegebiets zu genügen. An der südlichen Einsteinstraße entfallen 9 Stellplätze und in der westlichen Truderinger Straße 17. Dafür werden in der östlichen Truderinger Straße gegenüber der Kleingartenanlage (Kaninchenzuchtverein) 14 neue Parkplätze geschaffen. Darüber hinaus sind in der Truderinger Straße beidseitig Radverkehrstreifen vorgesehen, um die Radfahrer sicher und getrennt vom Autoverkehr zu führen. Gleisüberfahrten sind lediglich an der Einfahrt zum MVG-Busbetriebshof, zum Gelände des Abfallwirtschaftsbetriebs und der Kleingartenanlage erforderlich.

    Gleisbauarbeiten ab Anfang April
    Bereits im Jahr 2014 wurde an der Truderinger Straße eine ca. 200 Meter lange Stützmauer errichtet. Sie dient zur Absicherung der bestehenden Böschung zum benachbarten DB-Gelände, so dass daneben die Tramtrasse entstehen kann. Die weiteren Bauarbeiten beginnen nun nach dem offiziellen Spatenstich mit Sparten- und Erdarbeiten zur weiteren Freimachung der einzelnen Baufelder für den Gleisbau, der Anfang April beginnen soll. Außerdem werden bereits erste Fahrleitungsfundamente gesetzt. In den Sommerferien soll die Neubaustrecke an den Betriebshof angeschlossen werden. Hierfür ist eine Sperrung der Einsteinstraße in stadtauswärtiger Richtung zwischen Leuchtenbergring und Vogelweideplatz nötig. Ferner ist zu diesem Zeitpunkt auch die Errichtung der neuen Haltestellen am Max-Weber-Platz (zusätzlicher Bahnsteig) und an der Flurstraße geplant. Während der gesamten Bauphase bleiben die Zufahrten zu den Grundstücken der Anlieger grundsätzlich möglich.


    Tram Steinhausen in Zahlen

    6  neue Haltestellen sorgen für kurze Wege von und zur Tram
    76  Fahrleitungsmasten werden für die Neubaustrecke aufgestellt
    92 Bäume begrünen die Haltestellen und das Umfeld der Strecke
    2.000 Meter Rasengleis sind vorgesehen (Einzelgleis Neubaustrecke)
    2.700 Meter Gleise umfasst die Neubautrasse insgesamt (Einzelgleis)
    20.000 Kubikmeter Erdmassen werden bewegt*

    * ein durchschnittliches 25-Meter-Schwimmbecken fasst 436 Kubikmeter Wasser; alles ca.-Angaben

    Die MVG informiert auch im Internet ausführlich über die Tram Steinhausen unter: www.tram-steinhausen.de

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