Dienstag, 19.06.2018

SWM unterstützen Krisendienst Psychiatrie

Die Stadtwerke München (SWM) weiten ihr gesellschaftliches Engagement aus: Sie realisieren eine Plakatkampagne für den vom Bezirk Oberbayern finanzierten Krisendienst Psychiatrie. Ziel der Zusammenarbeit ist es, den Krisendienst und insbesondere seine telefonische Soforthilfe für Menschen in Notlagen noch bekannter zu machen und damit einen Beitrag für die seelische Gesundheit zu leisten.

Der Krisendienst Psychiatrie ist unter der Rufnummer 0180 / 655 3000 zu erreichen. Dort erhalten Menschen qualifizierte Beratung und Unterstützung bei seelischen Krisen und psychiatrischen Notfällen jeder Art, ebenso Mitbetroffene und Angehörige. Die Rufnummer ist täglich von 9 bis 24 Uhr erreichbar. Die Region München ist bereits seit 1. Dezember 2016 an den Krisendienst angeschlossen.

Die Leitstelle des Krisendienstes befindet sich in München. Dort gehen alle Anrufe zentral ein. Der Krisendienst bietet Anrufern erste Entlastung und Orientierung. Er empfiehlt geeignete Hilfeangebote und vermittelt kurzfristig Beratungstermine. In dringlichen Fällen kann auch der schnelle Einsatz erfahrener Fachkräfte am Ort der Krise (z.B. Hausbesuch) veranlasst werden.

Vertraulich. Menschlich. Offen
Um die Hotline und die damit zusammenanhängenden Hilfsangebote noch bekannter zu machen, läuft in diesen Tagen eine Plakatkampagne in München an (siehe Abbildungen). Um eine möglichst breite Zielgruppe zu erreichen, wurden die Botschaften so gewählt, dass sie insbesondere die Betroffenen in ihrer Situation direkt ansprechen, aber auch allen anderen Betrachtern im Gedächtnis bleiben. In Frageform („Kommen Sie da alleine nicht mehr raus?“) werden die Münchner mit vier verschiedenen Plakaten direkt adressiert. „Wir sind für Sie da“, lautet das Angebot. „Vertraulich. Menschlich. Offen.“ Jeder Dritte gerät mindestens einmal im Leben in eine Situation, in der er psychiatrische oder psychotherapeutische Hilfe benötigt.

Die SWM haben die Finanzierung der Kampagne übernommen und stellen Plakatflächen in der U-Bahn kostenlos zur Verfügung. Darüber hinaus sind die Motive auch auf weiteren Münchner Werbeflächen des Medienhauses Ströer zu sehen, das die Kampagne unterstützt. Beiträge in den diversen eigenen Medien von SWM und MVG runden die Kommunikation ab. Die Kampagne läuft über zwei Jahre in mehreren Wellen. Sie umfasst allein bis Ende 2018 rund 400 unterschiedliche Standorte.

Ingo Wortmann, SWM Geschäftsführer Mobilität und MVG-Chef: „Die SWM fühlen sich den Münchnerinnen und Münchner verpflichtet und engagieren sich daher für die Stadtgesellschaft. Ziel der Plakatkampagne ist es, die Bevölkerung für psychische Krisen zu sensibilisieren, dem Thema das Stigma zu nehmen und das Hilfsangebot für den Fall der Fälle in den Köpfen zu verankern. Da bieten sich die Werbeflächen im ÖPNV geradezu an, weil hier besonders viele Menschen zusammenkommen und oft auch kurze Wartezeiten haben, in denen sie im Idealfall auf die neuen Plakate aufmerksam werden. Seelische Notlagen können für alle Beteiligten gravierende Folgen haben. Es geht darum, Suizide durch rechtzeitige Ansprache und Hilfe zu vermeiden. Prävention ist extrem wichtig, gerade auch für uns als U-Bahnbetreiber.“

Bezirkstagspräsident Josef Mederer: „Wir sind sehr glücklich, dass wir mit den SWM einen starken Partner für unsere gemeinsame Kampagne für seelische Gesundheit haben. Wegen ihrer Präsenz im öffentlichen Raum können die SWM einen wichtigen Beitrag leisten, um die Hilfsangebote des Krisendienstes Psychiatrie noch bekannter zu machen. Gerade für Betroffene, die so verzweifelt sind, dass sie keinen eigenen Ausweg mehr sehen und beginnen Suizidgedanken zu entwickeln, ist der Krisendienst Psychiatrie eine verlässliche und kompetente Anlaufstelle. Oft wenden sich auch Personen aus dem sozialen Umfeld an den Krisendienst, wenn sie beispielsweise eine fortschreitende depressive Entwicklung eines Angehörigen oder Kollegen miterleben. Die einfach erreichbaren, professionellen Hilfsangebote des Krisendienstes Psychiatrie können lebensrettend sein. Dank der Partnerschaft mit den SWM steht das Netzwerk der psychiatrischen Krisenhilfe in München jetzt auf einem noch breiteren Fundament. Ich sehe diese Kampagne für seelische Gesundheit auch als Beitrag zum Abbau von Vorurteilen und Stigmatisierungen gegenüber psychisch kranken Menschen.“
 
Dr. Michael Welschehold, Krisendienst Psychiatrie, Leiter der Leitstelle: „Psychische Krisen können meist, aber nicht immer aus eigener Kraft überwunden werden. Menschen, die in eine derartige psychiatrische Notlage geraten, haben manchmal das Gefühl, den Boden unter den Füßen zu verlieren. Wenn dann die eigenen Möglichkeiten, eine Krise zu überwinden, versagen, kann die Verzweiflung so unerträglich werden, dass ein Suizid als der vermeintlich einzige Ausweg erscheint. Bei einer solchen Entwicklung von Suizidgedanken ist es besonders wichtig, den Betroffenen zum frühestmöglichen Zeitpunkt, qualifizierte und vertrauliche Hilfe anzubieten. Das Ziel des Krisendienstes Psychiatrie ist es, allen, die eine solche Situation erleben, eine verlässliche Anlaufstelle zu sein. Denn: Je schneller man sich Hilfe holt, desto besser! Die Mitarbeiter in der Leitstelle des Krisendienstes Psychiatrie sind speziell für derartige Situationen ausgebildet: Sie können auf die Betroffenen eingehen, die Gefahrensituation einschätzen, Menschen entlasten und mit ihnen besprechen, welche weitere fachliche Unterstützung sinnvoll ist. Allein dies führt bei Menschen in Krisensituationen oft zur sofortigen Entlastung und vermindert so die Gefährdung.“
 
Michael Mauerer-Mollerus, Vertreter der Arbeitsgemeinschaft der freien Wohlfahrtspflege Oberbayern: „Der Krisendienst Psychiatrie arbeitet professionell und vertraulich. Das Netzwerk des Krisendienstes Psychiatrie ist getragen von rund 750 Mitarbeitern, die als speziell geschulte Fachkräfte im psychiatrischen und psychosozialen Bereich tätig sind. Um im Bedarfsfall auch Menschen in Krisensituationen direkt vor Ort zu begleiten, stehen in der Regel innerhalb einer Stunde mobile Einsatzteams zur Verfügung. Hier geht es darum, mit den Menschen in seelischen Krisen in einen vertrauensvollen Kontakt zu kommen, um dann individuell ein Paket an geeigneten Hilfen zu schnüren. Die Einsatzteams sind bei Sozialpsychiatrischen Diensten und sonstigen Trägern angesiedelt. Die Wohlfahrtsverbände übernehmen hier eine zentrale Funktion in der wohnortnahen Krisenversorgung und bilden auch die Brücke zu einer gelingenden Überleitung in die Regelversorgung.“

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