Freitag, 06.03.2020

Zwölf Wochen neuer MVV-Tarif – eine erste Zwischenbilanz: Reform lockt Neukunden

Zum 15. Dezember 2019 wurde im Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV) eine umfassende Tarifreform umgesetzt. Nach nunmehr zwölf Wochen mit dem neuen Tarifsystem ziehen die Verbundgesellschaft und die Verkehrsunternehmen Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) und S-Bahn München eine erste positive Bilanz.

Erfreulich ist insbesondere, dass die Tarifreform neue Abokunden anzieht. Seit Dezember 2019 wurden deutlich mehr Verträge für die IsarCard, die IsarCard65 und die IsarCardJob im Abo abgeschlossen als im Vorjahreszeitraum. Nach vorläufigen Auswertungen stieg die Zahl der Abonnements im MVV seit der Tarifreform um knapp sechs Prozent bzw. gut 19.000 Verträge an. Zum Vergleich: Ein Jahr zuvor betrug die Steigerung lediglich 0,4 Prozent. Bei den Jobtickets gab es eine überproportionale Zunahme, weil mehrere große Arbeitgeber ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern besonders attraktive Konditionen anbieten.

„Insgesamt ist die Tarifreform sehr positiv aufgenommen worden, insbesondere natürlich bei den Kunden, die nun günstigere Angebote in Anspruch nehmen können“, zieht MVV-Geschäftsführer Dr. Bernd Rosenbusch ein erstes Resümee. „Rund 19.000 neuen Kunden im Abo bedeuten monatlich rund eine Million zusätzliche ÖPNV-Fahrten. Das sind rund zehn Millionen Personenkilometer – von denen ein großer Teil ansonsten mit dem eigenen Pkw stattfinden würde.“

„Die ersten Zahlen zeigen, dass die Reform wirkt und viele Menschen dazu bewegt, sich ein Abo zuzulegen“, ergänzt MVG-Chef Ingo Wortmann. „Wenn dies zu spürbar mehr Fahrgästen insbesondere in der Hauptverkehrszeit führt, müssen wir unser Angebot massiv ausbauen. Hierfür muss die Finanzierung dauerhaft gesichert sein.“

„Bahnfahren ist aktiver Klimaschutz. Daher freut es mich, wenn wir auch dank der Tarifreform neue Abokunden innerhalb des MVV gewinnen konnten. Damit wir die Verkehrswende schaffen, muss die Infrastruktur nun weiter ausgebaut und das Angebot kontinuierlich verbessert werden“, sagt Heiko Büttner, Vorsitzender der Geschäftsleitung der S-Bahn München.

Gleichwohl haben die ersten Wochen gezeigt, dass sich die Fahrgäste noch umorientieren und an die neuen Regelungen gewöhnen müssen. MVV, MVG und S-Bahn haben daher einige Hinweise zum Ticketkauf zusammengestellt:

  • Neue Zonen: In den Wochen nach Einführung des neuen Tarifsystems kam es des Öfteren zu Fehlkäufen, weil viele Fahrgäste mit der neuen Zonen-Systematik noch nicht vertraut sind. Zu beachten ist insbesondere, dass für Fahrten innerhalb der gesamten Stadt München (sowie einigen Umlandgemeinden) immer ein Ticket für die Tarifzone M erforderlich ist, auch wenn es teilweise eine Preisgleichheit mit den nummerisch aufgebauten, aber räumlich unterschiedlichen Tarifzonen 1 bis 6 außerhalb der Zone M gibt. Ein weiteres Missverständnis ist, dass eine Fahrkarte für die (äußerste) Zone 6 als Fahrkarte für das Gesamtnetz angesehen wird – richtig wäre ein Ticket für die Zonen M-6 als „Gesamtnetzfahrkarte“.

 

  • IsarCard S: Mit der Tarifreform gibt es erstmals ein einheitliches Sozialticket für die Bürgerinnen und Bürger in allen Verbundlandkreisen sowie in der Landeshauptstadt München.
    • Das neue Angebot macht es erforderlich, dass sich die Berechtigten in der Landeshauptstadt München einen neuen München-Pass bei den Sozialbürgerhäusern bzw. im Landkreis München einen neuen Landkreis-Pass beim Landratsamt ausstellen lassen. Mit den alten Pässen kann an den Automaten keine IsarCard S mehr gekauft werden, da sich die Ticketcodierung geändert hat.
    • In den Verbundlandkreisen Bad Tölz-Wolfratshausen, Dachau, Ebersberg, Erding, Freising, Fürstenfeldbruck und Starnberg wenden sich die Berechtigten bitte an ihr jeweils zuständiges Landratsamt. Diese stellen für den Erwerb der IsarCard S erstmalig einen Landkreispass aus.

 

  • Anschlussfahrten zu Zeitkarten: Grundsätzlich gilt, dass alle beim besonderen Anschlussticket zu Zeitkarten benötigten Zonen am Automaten einzeln auszuwählen sind. Beispiel: Wer eine gültige Fahrkarte (Zeitkarte) für die Zone M und sein Fahrtziel in Zone 4 hat, muss beim Kauf des besonderen Anschlusstickets die Zonen 1, 2, 3 und 4 auswählen. Tipp: Der MVG-Ticketfinder, die App MVG Fahrinfo München sowie die MVV-App ermitteln die erforderlichen Zonen automatisch, nachdem das vorhandene Abo-Ticket bzw. die Zeitkarte dort einmal hinterlegt wurde. Bei Nutzung einer Streifenkarte für die Anschlussfahrt ist je zusätzlich benötigter Tarifzone die erforderliche Anzahl an Streifen zu entwerten: Zwei Streifen für die Zone M oder zwei Umlandzonen plus je ein Streifen für jede weitere Tarifzone (Beispiel: Abonnement für Zone M vorhanden, Fahrt vom Marienplatz zum Flughafen München geplant. Befahren werden die Zonen M, 1, 2, 3, 4 und 5; zu stempeln sind insgesamt 5 Streifen, 2 Streifen für die Zone 1 und je 1 Streifen für die Zonen 3, 4 und 5).

 

  • Haltestellen in zwei Zonen: Eine Reihe von Gemeinden und Haltestellen sind seit der Tarifreform zwei Tarifzonen zugeordnet, was in den neuen Netzplänen abgelesen werden kann. Das bedeutet: Je nach Fahrtrichtung kann die richtige Zone ausgewählt und damit der günstigere Preis bezahlt werden. Beispiele:
    • Start in M -> Ziel in M/1: Zonenwahl: M -> Kauf eines Tickets für die Zone M
    • Start in M/1 -> Ziel in 1/2: Zonenwahl: Zone 1 -> Kauf eines Tickets für die Zone 1
    • Start in M/1 -> Ziel in 2/3: Zonenwahl: Zone 1 - 2 -> Kauf eines Ticket für die Zonen 1-2

 

  • Chipkarten: Abo-Chipkarten und deren Geltungsbereich können aktuell an mit dem E-Ticket-Logo gekennzeichneten DB-Automaten ausgelesen werden, zusätzlich mit der App „München Navigator“ und einem NFC-fähigen Android-Smartphone.

 

  • Informations- und Serviceangebote: Um den Kunden den Umstieg auf den neuen MVV-Tarif so einfach wie möglich zu machen, wurden spezielle Service-Tools entwickelt. Diese stehen den Fahrgästen auch weiterhin online zur Verfügung:
    • MVG-Ticketfinder: Für weitergehende Informationen zu Fahrplan und Ticketauskunft hat die MVG den Ticketfinder entwickelt. Mit diesem digitalen Tool können umfangreiche Auskünfte am Desktop oder auf dem Handy schnell und einfach eingeholt werden. Das Tool ist im Dezember 2019 in Betrieb gegangen und erfreut sich großer Beliebtheit. Bereits im ersten Monat sind über 1.500 tägliche Zugriffe bei MVG und MVV bei diesem Service zu verzeichnen gewesen.
    • MVV-TarifCheck: Der MVV-TarifCheck vergleicht schnell und übersichtlich alten und neuen Tarif. Mit nur wenigen Angaben (Start- und Zielhaltestelle sowie der gewünschten Ticketart) kann schnell der Preisunterschied zwischen den beiden Preissystemen dargestellt werden. Der Service wird seit September 2019 angeboten und hat mittlerweile mehr als 1,2 Millionen Zugriffe zu verzeichnen.
    • Auch die Internetseiten von MVV, MVG und S-Bahn München stellen eine Vielzahl von Informationen rund um die Tarifreform zur Verfügung, die auch immer wieder aktualisiert und ergänzt werden, zum Beispiel: www.mvv-muenchen.de/tarifreform
    • Einfach und bequem klappt der Ticketkauf auch per Smartphone. Über die Apps "MVG-Fahrinfo", "München Navigator", „MVV-App“ oder "DB Navigator“ wählen Fahrgäste die gewünschte Verbindung aus und erhalten automatisch das richtige Ticket dazu.

 

Situation im Kundenservice
Die Mitarbeiter in den Kundencentern der S-Bahn/DB und der MVG an den Bahnhöfen Hauptbahnhof, Marienplatz und Ostbahnhof hatten einen gewaltigen Kundenansturm zu bewältigen. Beide Unternehmen haben personell aufgestockt und alle verfügbaren Kräfte mobilisiert. Dennoch ließen sich insbesondere zwischen Mitte Dezember und Mitte Februar lange Wartezeiten nicht vermeiden. An Spitzentagen wurden teilweise über 10.000 Kunden an den Schaltern bedient oder durch mobile Servicemitarbeiter beraten, die die Kundencenter bei der Bewältigung des Andrangs unterstützen. Insgesamt hat die Nachfrage inzwischen deutlich nachgelassen. Nachmittags ist es mitunter noch voll. Die kürzesten Wartezeiten sind in der Regel vormittags zu erwarten. In der Wochenmitte ist die Nachfrage erfahrungsgemäß meist geringer als zu Beginn oder Ende der Woche.

Bei schriftlichen Anfragen kommt es im Kundenservice der MVG derzeit noch zu längeren Bearbeitungszeiten. Fahrgästen wird deswegen empfohlen, sich telefonisch an die MVG zu wenden. Die gebührenfreie MVG-Hotline ist unter 0800 344 22 66 00 zu erreichen. Das Abo-Center der MVG hat die kostenlose Nummer 0800 344 22 66 11; am besten kommt man Montag bis Freitag in der Zeit von 8 bis 15 Uhr durch.

Tipp: Abokunden können auch das MVG bzw. DB Kundenportal nutzen, um eigenständig Änderungen an ihrem Abonnement vorzunehmen (z. B. Geltungsbereich ändern). Hauptanliegen der Kunden in den Kundencentern sind allgemeine Fragen zur Tarifreform, Umtausch und Erstattung von alten Tickets sowie Fragen und Änderungen rund um das Abonnement.

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Pressereferent Bereich MVG
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